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DAS IMPERIUM. ZWEITER VERSUCH

Kapitel 18. Zwei Hauptstädte

In Petersburg werden die neuen Regeln auf See geprüft. In Moskau zeigt sich, ob ein Amt den eigenen Fehler anerkennen kann.

Bei Hanko trifft die russische Galeerenflotte auf eine Stelle, an der ein großes Schiff zwar Stärke besitzt, aber keinen Raum zum Wenden hat. Peter ist nah genug, um die Masten zu sehen, und weit genug entfernt, dass seine Hand nicht jedes einzelne Schiff bewegen kann.

Der Kommandeur der Galeeren erhält zwei Meldungen über Wind und Wassertiefe. Nach der alten Ordnung muss er auf die Bestätigung des Gesamtplans warten. Nach der neuen darf er das Manöver ändern, solange er am Auftrag festhält und seine Entscheidung nachvollziehbar festhält.

Er führt einen Teil der Galeeren ins flache Wasser, teilt die Linie und zwingt den schwereren Gegner, unter beengten Verhältnissen zu reagieren. Drei Schiffe geben das Signal weiter. Das vierte sieht die Flagge hinter dem Rauch nicht, erhält den Befehl aber über eine Kette kleiner Boote.

Peter erfährt erst von der endgültigen Form des Manövers, als er sie nicht mehr ändern kann.

Diesmal muss dem Kommandeur kein eigenmächtiges Handeln verziehen werden. Er handelt aufgrund eines Rechts, das nach Narwa entstanden ist und sich bei Poltawa bewährt hat. Die russische Flotte siegt, ohne auf jede Entscheidung des Zaren zu warten.

Bei der öffentlichen Auswertung legt der Kommandeur die Wassertiefen, die beiden Meldungen und den Zeitpunkt des Signals vor. Die Marineoffiziere bestätigen, dass sie denselben Auftrag mit verschiedenen einzelnen Manövern erfüllt haben. Danach überreicht man Peter das Abzeichen eines Vizeadmirals. Er erhält den Rang für eine Flotte, die gesiegt hat, ohne auf jedem Schiff seinen persönlichen Befehl abzuwarten.

Während Petersburg den Sieg auf See feiert, sitzt in Moskau eine Frau drei Tage lang am Fenster einer Amtsstube. Sie will sich über das Zivilamt beschweren, das geschaffen worden ist, um Beschwerden über andere Behörden zu prüfen. Der Schreiber erklärt ihr, gegen dieses Amt selbst könne man sich nirgends beschweren: Sein eigener Leiter entscheide, wann er den eigenen Fehler überprüfen lasse.

Alexei hört diesen Satz und ordnet an, das Schreiben gegen seine eigene Behörde zu registrieren.

Die Frau behauptet, die angekündigte Zahlung für das gekaufte Getreide sei ausgeblieben, weil sich der örtliche Einnehmer auf eine neue Frist berufen habe. In Lukas Buch ist die Frist nicht geändert worden. Die Prüfung findet den Mann, der die neue Frist erfunden und sich hinter der Moskauer Ordnung versteckt hat, so wie sich früher Lieferanten hinter dem Namen Iwan Naryschkins versteckt haben.

Der Schreiber wird von ihrem Fall abgezogen. Die Beschwerde prüft ein Mann aus einer anderen Amtsstube, und eine zweite Abschrift bleibt bei der Antragstellerin. Einen Monat später wendet die Schule für Amtslehrlinge dasselbe Verfahren auf eine Beschwerde gegen den eigenen Lehrer an.

Nun prüft die Beschwerde gegen das Zivilamt ein Mann, der nicht demselben Vorgesetzten untersteht.

Dasselbe Verfahren wird in den Lazaretten eingeführt. Nach Poltawa hat man die Verwundeten nach provisorischen Regeln verteilt, die nur dank einiger weniger erfahrener Ärzte funktioniert haben. Nun gelten dieselben Vorratslisten, die Reihenfolge nach Schwere der Verwundung und das Recht eines jüngeren Gehilfen, einen Mangel zu melden, in Petersburg, Moskau und im Feldlazarett. An einem Ort versucht der leitende Arzt, das saubere Leinen für die Offiziere an sich zu nehmen. Der Gehilfe verweist auf die Regel und bewahrt den Vorrat für Menschen ohne Rang.

Den ersten Streifen Leinen gibt er einem Soldaten mit offener Wunde, den zweiten einem Offizier, der warten kann. Der leitende Arzt verlangt seinen Namen, um ihn zu bestrafen. Der Gehilfe trägt seinen Namen selbst ein und fügt den verbliebenen Stoffbestand hinzu. Eine Woche später bestätigt ein Prüfer aus einer anderen Amtsstube die Reihenfolge und verhindert, dass das Verzeichnis nachträglich umgeschrieben wird.

Als dasselbe Verfahren im dritten Lazarett angewandt wird, übergibt der leitende Arzt dem Gehilfen den Schlüssel zum Schrank mit dem sauberen Leinen. Das ist weniger als ein Rang und mehr als ein Lob: Nun kann der jüngere Gehilfe die Regel befolgen, ohne auf die Erlaubnis des Vorgesetzten zu warten.

Nun hängt die gerechte Verteilung des Leinens nicht mehr von der Güte eines einzelnen leitenden Arztes ab.

Doch weder der Sieg bei Hanko noch die Moskauer Prüfung der Beschwerde noch die neue Ordnung in den Lazaretten versöhnen die Hauptstädte. In Petersburg meint man, die Moskauer Vorsicht komme für den Krieg immer zu spät. In Moskau sieht man eine Stadt, die Stein, Holz, Handwerker und Geld an sich zieht, ohne einen Termin für die Rückgabe zu nennen.

Alexei stellt einen öffentlichen Bericht zusammen. Auf der einen Seite stehen Schiffe, Anlegestellen, Lazarette und neue Wege. Auf der anderen stehen eingestellte Arbeiten vor Ort, umgesiedelte Familien, verspätete Zahlungen und Land, von dem bereits zweimal Abgaben erhoben worden sind. Er schlägt nicht vor, Petersburg aufzugeben. Er schlägt vor, neben dem Ergebnis auch den vollen Preis der Stadt zu berechnen.

Katharina erhält unterdessen Nachricht von einem Mann, der sich als ihr Verwandter bezeichnet. Er kennt den Familiennamen, den Weg in Livland und eine Einzelheit aus ihrer Kindheit, die in keinem Amtsbuch steht. Dokumente besitzt er nicht mehr. Nach der allgemeinen Ordnung muss man ihn bis zur Prüfung aus Menschikows Haushalt entfernen und seinen Platz einem Mann mit bestätigter Dienstfrist geben.

Sie trifft ihn am Wirtschaftstor. Der Mann bittet nicht um Geld und nennt sie nicht Herrscherin. Er summt vier Zeilen eines Liedes von zu Hause, und bei der fünften stockt er an derselben Stelle, an der sich einst das Mädchen Marta versungen hat. Katharina kann mit dieser Erinnerung die Verwandtschaft nicht beweisen. Aber sie kann daran glauben.

Ihr ganzes Leben lang haben andere Menschen darüber entschieden, in welches Haus sie gebracht wird. Nun will die allgemeine Ordnung einen Mann vor die Tür setzen, nach dem sie viele Jahre gesucht hat. Der warme Stein in ihrer Hand wird kalt, während der Schreiber ihr die Dauer der Prüfung erklärt.

Katharina fürchtet, der Verwandte könnte wieder zwischen zwei Einträgen verschwinden. Sie bittet Peter, ihm seinen Platz mündlich zu sichern, nur für ein paar Wochen.

„Später trägt Luka alles ein“, sagt sie.

Peter erinnert sich, wie sie eine zweite Abschrift der Eheartikel verlangt hat. Doch eine familiäre Bitte erscheint ihm begrenzter und ungefährlicher als eine staatliche.

Er stimmt zu.

Menschikow erhält die kurze Weisung: „Ein Mann unter Katharinas Schutz.“ Das genügt, um nicht nur einen einzigen Platz zu schützen. Die Verwalter lassen mehrere Arbeiter, einen Lieferanten und einen Vermittler ungeprüft, weil jeder von ihnen sich auf einen Auftrag der Familie beruft. Die eng begrenzte Ausnahme wird rasch zum Schutz für Menschen, die Katharina nie gesehen hat.

Luka bemerkt die Lücken, kann aber nicht feststellen, wer die Ausnahme zuerst erlaubt hat. Peter und Katharina haben nichts unterschrieben.

Am selben Tag legt Alexei den Bericht über die beiden Hauptstädte vor. Peter liest die Liste der eingestellten Arbeiten und fragt, weshalb sein Sohn dem Feind ein Maß für die Erschöpfung Russlands in die Hand gibt.

„Damit der nächste Aufstand sie nicht vor uns erkennt.“

„Du machst aus jedem Sieg eine Anklage.“

„Ich gebe ihm die zweite Spalte zurück.“

Peter hört in diesen Worten nicht die Lehre vom Pruth, sondern den Wunsch seines Sohnes, ihn im Regieren des Landes zu unterweisen. Er verbietet, den vollständigen Bericht zu drucken, und erlaubt nur, über die gebauten Schiffe, Anlegestellen, Lazarette und Straßen zu berichten. Die Angaben über umgesiedelte Familien und doppelt erhobene Abgaben lässt er entfernen.

Nach der Ratssitzung suchen einige einflussreiche Männer Alexei auf. Sie sprechen ruhig, verlangen nicht, die Flotte abzuschaffen, und bezeichnen sich als Beschützer des rechtmäßigen Thronfolgers. Sie schlagen vor, Abschriften des verbotenen Berichts aufzubewahren und die Moskauer Regeln weiter anzuwenden, bis man wieder offen darüber sprechen kann.

Unter ihnen sind Männer, die persönliche Ausnahmen tatsächlich einschränken wollen. Neben ihnen stehen andere, die den alten Geschlechtern ihre Ämter zurückgeben, die Schulen schließen und das Meer zur Laune eines einzelnen Zaren erklären wollen.

Sie alle versprechen Alexei Schutz.

Noch versteht er nicht, wer sich hinter seinem Namen verstecken will.

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