Zum Feiern von Ruobings Rauswurf bleibt keine Zeit. Xinghe holt ihre alten Entwürfe hervor, verteilt die Aufgaben und verlangt von den Ingenieuren, zuerst festzulegen, was die neue Hand eigentlich können soll. Die Frage scheint offensichtlich und ist gerade deshalb jahrelang ohne gute Antwort geblieben.
Yi Chen nimmt Kontakt zu ihr auf, ein Hacker unter dem Namen Yi-Ti. Er spricht über Projekt Galaxy: Sein Vater, Xinghes Mutter und einige weitere Menschen derselben Generation sind unter ähnlichen Umständen verschwunden. Antworten bietet Yi Chen nicht an, nur einen Austausch von Informationen.
„Zuerst prüfe ich Ihre Informationen“, sagt Xinghe.
„Sie vertrauen niemandem?“
„Doch. Nach der Überprüfung.“
Yi Chen steht mit Ruobing in Verbindung und hat ihr unter ihrem Druck einen frühen Entwurf von Xinghe übergeben. Äußerlich wirkt die Konstruktion fertig, doch das neuronale Zentrum ist noch nicht auf die Belastung durch ein lebendes Nervensystem ausgelegt. Xinghe erfährt von dem Diebstahl und schweigt. Yi Chen zu entlarven hieße, die Spur zu Projekt Galaxy zu verlieren. Und Ruobing hat es selbst eilig zu zeigen, wie wenig sie von dem Gestohlenen versteht.
Sie zeigt den Entwurf der alten Frau Xi und erklärt die Arbeit für abgeschlossen. Xinghe wird aus dem Labor ausgeschlossen. Tianxin ist bei dem Gespräch anwesend und betrachtet ihre Demütigung mit dem Gesichtsausdruck eines Menschen, der endlich ein gutes Geschenk bekommen hat.
Als Mubai von seiner Reise zurückkehrt, setzt er Xinghe wieder ein und warnt seine Familie, dass er nicht länger dulden wird, wie sie nach Tianxins oder Ruobings Laune hinausgeworfen wird. Ihre Urheberschaft kann er nicht mit einem Befehl beweisen. Zum Glück braucht Xinghe keinen.
„Ruobings Konstruktion ähnelt unserer“, bemerkt Luo Jun.
„Sie hat meinen alten Entwurf. Wir haben den korrigierten.“
„Was ist der Unterschied?“
Xinghe deutet auf das verstärkte neuronale Zentrum.
„Ihre Prothese übersteht den Prüfstand. Bei einem Menschen versagt sie womöglich.“
Ruobing wird zuerst fertig. Die Tests auf dem Prüfstand verlaufen erfolgreich, und sie besteht auf einer sofortigen Operation. Xinghe kommt mit ihrer eigenen Prothese ins Krankenhaus und warnt offen vor der Gefahr, doch die alte Frau vertraut ihrer angenommenen Enkelin mehr als Mubais früherer Frau.
Zunächst wirkt die Operation erfolgreich. Dann ist aus dem Krankenzimmer ein Schrei zu hören. Das neuronale Zentrum überhitzt, das Gehäuse platzt und verletzt die Patientin.
Ruobing wiederholt immer wieder, sämtliche Prüfungen seien bestanden worden. Xinghe benennt das defekte Bauteil und erklärt, warum der Prüfstand den Fehler nicht erkannt hat. In ihrer Version ist das Zentrum verstärkt und die Belastung neu verteilt. Lu Qi und die Ingenieure überprüfen die Berechnungen. Ruobing kann sie weder widerlegen noch eine Lösung anbieten.
Den Beweis für die Urheberschaft liefert nicht das Datum der Datei, sondern etwas ganz Einfaches: Die Schöpferin versteht, wie das Gerät funktioniert. Die Diebin weiß nur, wo der Entwurf gelegen hat.
Das Oberhaupt der Familie Xi entzieht Ruobing das Recht, sich als Mitglied der Familie zu bezeichnen. Die alte Frau weigert sich, sie zu empfangen. Noch am Morgen hat Ruobing Glückwünsche entgegengenommen; am Abend hat sie das Labor, ihre Stellung und das Vertrauen jener Menschen verloren, für das sie das Leben eines anderen Menschen riskiert hat.
Die korrigierte Prothese wird zu neuen Tests übergeben. Die Familie erkennt Xinghe als Urheberin an und bestätigt ihr Versprechen: Nach Abschluss des Projekts kann sie Lin zurückholen.
Eine Schwierigkeit bleibt. Um ihren Sohn großzuziehen, muss Xinghe erst ihre eigene Operation überleben. In drei Tagen will sie zu einer Behandlung abreisen, von der nur ihre engsten Vertrauten wissen.
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