ОттискOriginalromane
VERWÖHN MICH, MR. CEO!

Kapitel 15. Einheit Fliegender Drache

Ein Sieg würde Saohuang nicht nur das Kommando über die Einheit Fliegender Drache einbringen, sondern auch den Einfluss, mit dem er die Familie Xi aus der militärischen Führung drängen könnte. Für die Familie Lin steht der Ausgang bereits fest.

Das erste Übungsgefecht endet mit einer schweren Niederlage für Munans Leute. Saohuangs Einheit hat sich länger vorbereitet und ist ihnen in fast allem überlegen: bei der Technik, im Zusammenspiel und in der Schnelligkeit ihrer Entscheidungen. Munans Soldaten beginnen daran zu zweifeln, dass die nächste Runde etwas ändern kann. Saohuang dagegen hält seinen Rivalen bereits für gebrochen und glaubt, den Wettkampf nur noch zum erwartbaren Ende bringen zu müssen.

Mubai bittet Xinghe, seinem Cousin zu helfen. Im Lager begegnet man ihr mit Misstrauen. Eine Zivilistin ohne militärische Ausbildung sieht nun wirklich nicht wie eine Geheimwaffe aus.

„Geben Sie mir Zugang zur technischen Abteilung“, sagt sie. „Danach können Sie entscheiden, ob ich von Nutzen bin.“

Munans Fachleute geben Xinghe mehrere Aufgaben und rechnen damit, die Prüfung rasch abschließen zu können. Doch innerhalb weniger Minuten durchschaut sie das System, findet Schwachstellen und erledigt Aufgaben, für die das Stammpersonal erheblich länger braucht. Gu Li und Yan Lu ändern als Erste ihre Meinung. Sie begreifen, dass Xinghe sich nicht als Militärexpertin ausgibt, der Einheit mit ihren Fähigkeiten in Mathematik und Programmierung aber tatsächlich einen Vorteil verschaffen kann.

Nachdem Xinghe Zugang zur Abteilung erhalten hat, verändert sie nicht nur die Programme, sondern auch die Arbeitsabläufe. Sie verteilt die Aufgaben neu, verkürzt die Fristen und verlangt, dass die Fachleute ihre Lösungen gegenseitig überprüfen. Die Mitarbeiter glauben, ihre neue Leiterin verstehe den Umfang der Arbeit nicht. Daraufhin übernimmt Xinghe selbst die Verantwortung und zeigt ihnen, welche überflüssigen Arbeitsschritte sie streichen können. Wenige Tage später liefert die Abteilung bereits schneller Ergebnisse als vor ihrer Ankunft.

Von Xinghes Rolle erfährt Saohuang durch Shu Mei, eine Mitarbeiterin der technischen Abteilung. Sie ist neidisch auf die neue Leiterin und erzählt bereitwillig von deren Befugnissen und Erfolgen. Daraufhin schickt Saohuang seinen besten Hacker Sun Yu ins Lager, der sich selbst als Nummer drei der Welt bezeichnet. Ein öffentliches Duell soll Xinghe demütigen, das Vertrauen in Munans Team untergraben und zugleich zeigen, wie gefährlich sie tatsächlich ist.

Sun Yu tippt so schnell, dass die Zuschauer die Bewegungen seiner Finger kaum erkennen können. Xinghe hält mühelos mit, knackt das System als Erste und lehnt sich zurück.

„K. o.“

Sun Yu erinnert sie daran, dass er den dritten Platz der Weltrangliste belegt.

„Mich selbst zur Nummer eins zu erklären wäre vermessen“, stimmt Xinghe zu. „Aber die Nummer drei habe ich gerade geschlagen.“

Sun Yu fordert sie auf, innerhalb von zehn Minuten Zugriff auf hunderttausend IP-Adressen zu erlangen. Xinghe nimmt die Bedingung an und verwendet dafür ein Programm, das sie noch während des Wettkampfs schreibt.

„Das ist Betrug!“, empört er sich.

„Ist es verboten, ein besseres Werkzeug zu schreiben als Ihres?“

Eine solche Regel findet sich nicht.

Nach zwei Niederlagen kann von Zufall keine Rede mehr sein. Munans Leute glauben wieder an den Sieg. Xinghe verspricht kein Wunder. Sie verlangt sämtliche Daten zur nächsten Runde und die genaue Umsetzung ihrer Berechnungen. Diesmal hört man auf sie.

In der Luftrunde gerät Munans Einheit erneut ins Hintertreffen. Saohuangs Piloten handeln perfekt abgestimmt, treiben den Gegner ins Kreuzfeuer und lassen ihm keine Zeit, seine Formation zu ändern. Im Hauptquartier bereitet man sich bereits darauf vor, die Niederlage einzugestehen. Xinghe verfolgt die Flugbahnen auf dem Bildschirm und erkennt ein Muster in den Manövern des Führungsflugzeugs.

Xinghe kann kein Flugzeug steuern und kennt auch die militärischen Fachbegriffe nicht. Dafür kann sie Geschwindigkeit, Richtung und die wahrscheinliche nächste Position des Gegners rasch berechnen. Zunächst übersetzt Yan Lu ihre Schlussfolgerungen in die Sprache der Piloten. Als die ersten Manöver funktionieren, erhält Xinghe einen direkten Kommunikationskanal. Nun erreichen ihre Berechnungen ohne Verzögerung das Cockpit, und der Pilot kann bereits ausweichen, bevor der Gegner seinen Angriff beendet.

Die präzisen Anweisungen wenden das Blatt. Das Flugzeug von Munans Einheit entkommt dem Beschuss, bringt sich in eine günstige Position und hilft dem Rest der Gruppe, die Initiative zu übernehmen. Saohuangs Vorsprung verwandelt sich allmählich in eine Niederlage. Sein Stab versteht nicht, wie der Gegner jeden seiner nächsten Züge vorhersehen kann, während Munans Leute zum ersten Mal wie ein geschlossenes Team handeln. Die Luftrunde geht an sie.

Nach der Übung ändert sich die Haltung gegenüber Xinghe endgültig. Die Soldaten, die sie vor Kurzem noch für einen zufälligen Gast gehalten haben, danken ihr nun für den Sieg und hören auf jedes Wort. Munan zeigt offen, wie stolz er auf seine künftige Schwägerin ist. Während Mubai im Ausland ermittelt, nehmen seine Verwandten und Munans Soldaten Xinghe von sich aus als eine der Ihren auf. Für Saohuang ist diese Niederlage gefährlicher als eine verlorene Runde: Er kann die Familie Xi nicht länger durch Misstrauen spalten.

Die Niederlage verhindert, dass Saohuang vorzeitig das Kommando erhält. Lin Yun glaubt, den falschen Verbündeten gewählt zu haben, und gibt ihm eine letzte Chance, seinen Nutzen zu beweisen. Daraufhin opfert Saohuang einen seiner Komplizen. In den Unterlagen eines internationalen Waffenschmugglerrings taucht Xinghes Name auf, und die digitalen Spuren werden so gefälscht, dass der Vorwurf zu ihren bekannten Fähigkeiten passt. Damit kann er zugleich sie, Munan und die gesamte Familie Xi treffen.

Ermittler kommen, um Xinghe abzuholen. Munan widersetzt sich ihrer Festnahme, doch sie weigert sich, Widerstand zu leisten: Das würde den Verdacht nur verstärken und Saohuang einen neuen Vorwand liefern, die Militärangehörigen der Familie Xi der Einflussnahme auf die Ermittlungen zu beschuldigen. Xinghe fährt freiwillig zum Verhör. Sie weiß, dass sich digitale Spuren fälschen lassen, doch ohne Zugang zu den Ermittlungsakten kann sie es nicht beweisen.

Xinghe verbringt zwei Tage in Verhören. Dann erreichen die Anwälte der Familie Xi ihre Freilassung gegen Kaution. Der Vorwurf bleibt bestehen: Die Familie bürgt für sie und setzt damit den eigenen Ruf und Munans Stellung aufs Spiel. Genau darauf hat Saohuang gesetzt. Wenn die Xi Xinghe fallen lassen, verlieren sie eine Verbündete. Wenn sie sie verteidigen, werden sie Teil des Skandals.

Am bequemsten wäre es, Xinghe zur Außenstehenden zu erklären und die Ermittler ihre Arbeit ohne die Familie Xi erledigen zu lassen. Doch der Patriarch der Xi, Munan und die Militäranwälte weigern sich, sie zu verraten. Xinghe ist ins Visier geraten, weil sie ihnen geholfen hat, und nun beschließen sie, das Risiko gemeinsam mit ihr zu tragen. Zum ersten Mal lässt Xinghe zu, dass andere sie beschützen, ohne sich dadurch verpflichtet zu fühlen oder darin ein Geschäft zu sehen. Jetzt müssen sie auf Mubai warten: Seine Ermittlungen im Ausland könnten die Beweise liefern, ohne die Saohuangs Fälschung nicht entlarvt werden kann.

Im Reader öffnen