Trofim ist erst bereit, über eine Übergabe zu sprechen, nachdem Gawrilas Name in die Artikel der Anhörung aufgenommen worden ist.
Er bittet nicht um Vergebung und verspricht nicht, Peter zu vergeben. Er verlangt eine festgesetzte Dienstzeit für alle, die ihre Waffen niederlegen, Bezahlung für militärische Arbeit, ein örtliches Gericht für nachgewiesene Verbrechen und eine gesonderte Untersuchung des Vorgehens des Zarentrupps jenseits der weißen Linie.
Die Offiziere des Zaren nennen das Verhandlungen mit einem Aufständischen. Ein Teil von Bulawins Leuten nennt es Verrat. Trofim antwortet allen gleich: Rache ohne Ende verzehrt ein fremdes Leben ebenso schnell wie Dienst ohne Ende.
Peter nimmt die Bedingungen dort an, wo die Kosakensiedlungen noch nicht an Morden beteiligt waren und bereit sind, namentlich Beschuldigte auszuliefern. Die Tore werden am angekündigten Tag geöffnet. Die Menschen, die sich ergeben, erhalten einen Vermerk mit der Frist ihrer nächsten Anhörung. Verstöße der Zarentruppen werden ebenso untersucht wie Verbrechen der Aufständischen.
Der Aufstand verschwindet nicht durch einen einzigen Vertrag. Die Truppen kämpfen weiter, ein Teil der Führung lehnt die Bedingungen ab, und Kondrati Bulawin wird nicht zu Peters Mann. Doch die neutralen Kosakensiedlungen nähren den Krieg nicht länger nur aus Angst vor einer unterschiedslosen Fahndung.
Gawrila ist bereits tot, und keine öffentliche Anhörung kann ihn zurückbringen.
Peter lässt Alexei ohne Zeugen zu sich rufen.
„Die Grenze in deinem Vertrag war richtig“, sagt er. „Ich habe eine Ausnahme beibehalten, die sie zunichtegemacht hat.“
Der achtzehnjährige Alexei wartet auf eine Fortsetzung: ein öffentliches Eingeständnis, das Recht, den Vertrag zu überarbeiten, oder wenigstens Gawrilas Namen im Befehl seines Vaters.
Peter fügt nur hinzu: „Aber die Versorgung hast du trotzdem nicht gesichert.“
„Also gibst du mir nur dort recht, wo niemand es hören kann.“
Alexei geht, bevor sein Vater das Eingeständnis in eine neue Lektion verwandeln kann.
Zusammen mit Luka baut er einen anderen Versorgungsweg für die Nordarmee auf. Statt einer einzigen allgemeinen Beschlagnahme verkaufen die Menschen vor Ort Brot, Pferde und Arbeit zu einem vorher bekannt gegebenen Preis. In jedem Eintrag stehen Käufer, Zahlungsfrist und das Gebiet, aus dem nichts ein zweites Mal genommen werden darf. Militärische Befehlshaber können eine Notlage ausrufen, müssen aber ihren Namen und eine gesonderte Quittung hinterlassen.
Das neue Verfahren ist langsamer als der erste Befehl und verlangt Münzen, ehrliche Waagen und Schreiber. Händler treiben den Preis hoch, Dorfälteste verstecken Vorräte. Ein Wojewode versucht, über einen Verwandten im Voraus das gesamte Brot aufzukaufen. Luka entdeckt solche Dinge anhand zweier Abschriften, und Alexei lernt, einen freiwilligen Verkauf von der Wahl zwischen Verkauf und gewaltsamer Beschlagnahme durch Soldaten zu unterscheiden.
Die Armee erhält nicht alles. Dafür verschwindet das Gelieferte nicht zusammen mit der nächsten ausgeplünderten Vorstadt.
Peter nutzt den örtlichen Ankauf und hält zugleich am Befehl für einen verbrannten Streifen auf dem Marschweg der schwedischen Armee fest. Können Lebensmittel nicht fortgebracht werden, dürfen die Truppen Karls XII. sie nicht bekommen.
In diesem neuen Krieg erreicht ein solcher Befehl den Hof von Marfa Kruglowa.
Marfa hat der Armee bereits zwei Wagenladungen Getreide übergeben und eine ordnungsgemäße Quittung erhalten. Ihr Hof liegt an einer Straße, die schwedische Beschaffungstrupps nehmen könnten. Ein russischer Offizier befiehlt allen hinauszugehen und mitzunehmen, was sie tragen können. Danach sollen das Haus und das restliche Getreide verbrannt werden.
Peter kommt an, als die Soldaten das Tor aus den Angeln heben. Er prüft die Ausführung des Befehls über den verbrannten Streifen und sieht die Quittung in Marfas Hand.
„Das Getreide habt ihr schon genommen“, sagt sie. „Hier ist die Unterschrift eures Mannes.“
Die Unterschrift ist echt. Luka bestätigt: Für zwei Wagenladungen ist eine Zahlung fällig. Doch die Quittung schützt den Preis des abgegebenen Getreides, nicht das Haus vor der nächsten militärischen Entscheidung.
Marfa zeigt auf ihren Sohn. Mitja steht mit einem Sack voller Kleidung an der Treppe, der fast größer ist als er.
„Wohin soll ich eure Auszahlung bringen, wenn ihr den Ort verbrennt, an dem man auf sie wartet?“
Der Offizier schlägt vor, den Hof bis zum Morgen stehen zu lassen, doch Peter prüft die Karte: Ein schwedischer Spähtrupp könnte die Straße in der Nacht erreichen. Ein stehen gelassener Hof bietet dem Feind Obdach und Nahrung; danach würde man darum bitten, auch das Nachbarhaus zu verschonen, dann die Scheune, dann das Dorf.
Das Buch kann das unmittelbare Ergebnis nennen: Verbranntes Getreide fällt dem Feind nicht in die Hände. Ob Marfa ihre Entschädigung vor dem Winter erhält, weiß es nicht.
Peter lässt den Befehl in Kraft.
Die Soldaten tragen Marfas Mutter aus dem hinteren Zimmer. Marfa zieht ein Bündel mit Geschirr vom Hängeboden. Mitja läuft wegen eines Holzspielzeugs zur Tür zurück, doch unter dem Dach zieht bereits Rauch entlang.
„Zurück!“, schreit seine Mutter.
Der Junge betritt das Haus nicht. Er greift nach einem herausgefallenen Türband und lässt es sofort wieder fallen. Das Metall verbrennt ihm die Handfläche. Peter schleudert das Türband mit seinem Handschuh fort, und ein Soldat wickelt ein nasses Tuch um Mitjas Hand.
Das Dach fängt am Rand Feuer. Die Flammen laufen schneller über die trockenen Schindeln als über jedes Papier. Die Quittung in Marfas Hand wird warm, dann heiß. Sie lässt das Blatt nicht los.
Peter sieht bis zum Ende zu. Er nennt den Brand kein notwendiges Opfer und verspricht nicht, ein künftiger Sieg werde ihn gerecht machen. Er befiehlt Luka, Haus, Getreide, Mitjas Brandwunde und die Frist für die erste Entschädigung in getrennten Zeilen einzutragen.
„Ihr könnt eine Frist aufschreiben“, sagt Marfa. „Lernt, sie auch einzuhalten.“
Das Haus stürzt in sich zusammen. Im Schnee bleiben das heiße Türband, eine ordnungsgemäße Quittung und eine Familie ohne Obdach zurück.
Die Schuld wächst. Der verbrannte Streifen hält den Gegner auf, doch die Quittung schützt Marfa nicht vor neuerlichem Ruin.
Bis zum Sommer 1709, vor dem Feldzug von Poltawa, hat Peter sechs Verfahren erprobt, die selbst dann funktionieren sollen, wenn der Gegner ihn zwingt, seinen Plan zu ändern.
Die Feldkommandeure ändern die Aufstellung nach zwei bestätigten Meldungen. Die Artilleristen tauschen Kugeln gleichen Kalibers. Trofims Reparaturleute machen ein Geschütz wieder einsatzbereit, ohne auf einen Meister des Zaren zu warten. Der Ankauf nach Alexeis Verfahren bringt Brot von mehreren Orten, ohne denselben Hof zweimal zu belasten. Die vertraglich gebundenen Dienstleute vom Don behalten ihre eigenen Befehlshaber innerhalb des gemeinsamen Befehls. Trommler und Boten wiederholen eine Befehlsänderung so, dass das benachbarte Regiment keine Gerüchte hört, sondern die Entscheidung.
Jedes dieser Verfahren kann versagen. Doch nun hängt nicht mehr die ganze Armee von einer einzigen Erinnerung Peters ab.
Nach Narwa hat sich die Macht erholt und ist dann wegen des Don erneut gesunken. Das in Astrachan gewachsene Vertrauen ist nach dem Bruch der weißen Linie eingebrochen. Die Schuld ist bis an eine gefährliche Grenze gestiegen: Zu den alten Rechnungen sind Gawrila, die verwüsteten Kosakensiedlungen und Marfas Hof hinzugekommen.
Das Buch zeigt keine neuen Zahlen. Alle sechs Verfahren müssen sich erst in einer einzigen großen Schlacht bewähren.
Die Peter bekannte Aufstellung der schwedischen Streitkräfte ist schon vor der entscheidenden Schlacht veraltet. Karl XII. ändert seinen Weg, weil der russische verbrannte Streifen und das neue Nachschubnetz seine Möglichkeiten bereits verändert haben.
Ein russischer Kommandeur der Vorhut erkennt die Bedrohung für seine Marschroute. Er schickt Peter keine Bitte um Erlaubnis. Er führt seine Männer auf eine andere Straße, überlässt die alte Route einem Scheintross und sendet erst danach seine Meldung.
Der Bote legt Peter die Karte vor.
„Die Entscheidung ist bereits ausgeführt.“
Zum ersten Mal zieht Peter nach einem Plan in eine entscheidende Schlacht, den man ohne ihn geändert hat.
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