Der Motor wurde am Mittwoch eingebaut, und es kam nicht der Mann, den wir erwartet hatten, sondern sein Kollege, und Igor war die ersten zwanzig Minuten unzufrieden damit und beruhigte sich dann, weil der Kollege etwas taugte.
Sie arbeiteten zu zweit, genauer gesagt arbeitete der Kollege und Igor stand daneben und reichte an, und sie unterhielten sich in einer Sprache, von der ich jedes dritte Wort verstand.
Ich nahm derweil am Tresen Aufträge an, und in der Werkstatt war kein Durchkommen: Der alte Motor lag auf dem Boden, die Kisten von Welitschko standen an der Wand, und dazwischen gingen Leute mit Schuhen hindurch und stiegen vorsichtig darüber.
„Haben Sie Umbau?“, fragte eine Frau mit Stiefeletten.
„Wir haben Verbesserung“, sagte ich.
Gegen vier war alles an seinem Platz. Der Kollege schaltete die Maschine ein, hörte zu, stellte etwas nach, schaltete noch einmal ein.
Und es wurde still.
Nicht ganz still natürlich: Die Maschine macht Geräusche, das muss sie auch. Aber verschwunden war dieses tiefe Brummen, das ich zwölf Jahre lang als Hintergrund gehört und nicht mehr bemerkt hatte, und ohne es wurde die Werkstatt doppelt so groß.
„Oh“, sagte ich.
„Na also“, sagte Igor.
Wir standen eine Weile da. Der Kollege packte das Werkzeug ein, nahm das Geld, erklärte, in der ersten Woche könne er warm werden, und fuhr weg.
Igor setzte sich an die Werkbank und nähte eine Hinterkappe, einfach so, um zu hören.
„Hörst du?“, fragte er, ohne sich umzudrehen.
„Ich höre.“
„Ich denke gerade, wie viel ich seinetwegen in all den Jahren nicht gehört habe.“
Am Abend saßen wir länger als sonst in der Werkstatt, weil wir nicht gehen wollten. Ich spülte die Tassen zu Ende, er kehrte, dann saßen wir einfach da, er auf seinem Hocker, ich auf dem Stuhl am Fenster, und hörten zu, wie im Hof geredet wurde.
Jedes Wort war zu hören. Zwei Männer besprachen, wohin mit dem alten Sofa.
„Zwölf Jahre“, sagte Igor.
„Was zwölf Jahre?“
„Zwölf Jahre lang war das hier alles zu hören, und wir haben es nicht gehört.“
Im Reader öffnen