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VERWÖHN MICH, MR. CEO!

Kapitel 22. Der Mann mit dem fremden Gedächtnis

Helan Chang gibt dem Präsidenten eine Woche. Als die Frist verstreicht, befiehlt er ihm, bis Mittag seinen Rücktritt bekannt zu geben, und droht, ihn andernfalls zu töten.

Drei Stunden vor dem festgesetzten Zeitpunkt ruft Cui Qian Xinghe an.

„Mein Amt habe ich verloren. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, ob ich auch mein Leben verliere.“

„Unternehmen Sie nichts.“

Sie fährt allein zur Villa der Helans. Der alte Mann glaubt, seine Gegnerin sei gekommen, um sich zu ergeben.

Helan Chang will dem Wachmann gerade befehlen zu schießen, als ein Mann mit dem Gesicht seines Sohnes den Raum betritt und eine Waffe auf seinen Vater richtet.

„Mein Name ist He Bin.“

Der alte Mann versucht sich zu retten, indem er verspricht, seinen geliebten Erben fallen zu lassen. Für He Bin genügt das: Sein Vater verrät beide Söhne mit derselben Leichtigkeit. Er tötet ihn nicht. Helan Chang erhält ein Mittel, das ihm für immer den klaren Verstand raubt.

Für alle anderen hat Helan Chang einen Schlaganfall erlitten, und die Führung der Familie geht an Helan Qi über. Unter diesem Namen lebt nun He Bin, wobei der Vorrat an Gedächtniszellen höchstens für ein halbes Jahr reicht. In dieser Zeit müssen sie sämtliche Geheimnisse der Familie aufdecken. Xinghe wechselt Kleidung und Frisur, setzt eine große Brille auf und stellt sich als Sekretärin des neuen Familienoberhaupts vor. Sam, Ali, Wolf und Cairn geben sich als seine Leibwächter aus. Der zu bekannte Mubai bleibt draußen und überwacht die versteckten Kameras an Xinghes und He Bins Kleidung.

Der Verwalter Huang Deqing akzeptiert das neue Familienoberhaupt, ohne Verdacht zu schöpfen. Er führt He Bin und dessen Sekretärin in ein unterirdisches Archiv, das durch Codeschlösser und ein System zur automatischen Datenvernichtung geschützt ist. Dort werden die Akten der Heimbewohner aufbewahrt, mit Ausnahme der Unterlagen aus den ersten zehn Jahren: Sie sind vor langer Zeit verbrannt worden, als die Entdeckung der Einrichtung drohte. Bereitwillig erklärt Deqing den Zweck des Waisenhauses. Die Kinder werden schon im Säuglingsalter ausgewählt, auf ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten geprüft, in Kategorien eingeteilt und die Begabtesten auf den Transport zu einer unbekannten, abgeschotteten Einrichtung vorbereitet.

Je höher der Rang eines Kindes, desto besser wird es ernährt und unterrichtet. Wer die Prüfungen nicht besteht oder krank wird, gilt als nutzlos und wird getötet. Um die Entwicklung des Gehirns zu beschleunigen, setzt Deqing gefährliche Verfahren ein, nach denen viele Kinder gelähmt bleiben. Bei der Besichtigung kann sich einer der fünfjährigen Jungen kaum auf den Beinen halten. Er hat seine Krankheit verheimlicht, weil er die Strafe kennt. Deqing schlägt ihn und ordnet anschließend an, ihn zu beseitigen, falls die Ärzte eine schwere Diagnose bestätigen. He Bin kann seine Rolle nur mit Mühe aufrechterhalten und befiehlt, das Kind vorerst zu behandeln.

Das Waisenhaus direkt zu übernehmen wäre zu gefährlich: Bei einem Alarm würde das System das Archiv vernichten, und die Angestellten könnten den Kindern etwas antun. Xinghe beschließt, die Krankheit des Jungen als Beginn einer Epidemie auszugeben. Lu Qi stellt einen Grippestamm mit schweren, aber nicht tödlichen Symptomen her, den die örtlichen Ärzte nicht sofort identifizieren können, und entwickelt vorsorglich einen Impfstoff. Als Ersten infizieren sie He Bin. Nachdem das Familienoberhaupt im Anschluss an seinen Besuch im Waisenhaus erkrankt, glaubt Huang Deqing an einen Ausbruch und lässt die von He Bin geschickten Ärzte und Wachleute für die Quarantäne ins Heim.

Die von He Bin im Voraus ausgewählten Leute betreten das Waisenhaus. Bald beginnt auch Deqing zu husten. Er wird auf eine separate Quarantänestation gebracht, während Xinghe das Gelände unter dem Vorwand der Seuchenbekämpfung abriegelt. Von außen sieht alles wie eine medizinische Notfallmaßnahme aus. Tatsächlich ist der Verwalter nun von seinen Wachleuten getrennt, das Team kontrolliert den Zugang zum Archiv, und die Angestellten des Waisenhauses können die Kinder nicht mehr ungehindert verlegen oder Befehle an die Familie Helan weitergeben.

Auf der Station nennt Xinghe Deqing ihren wahren Namen. Ali und Sam zwingen ihn zu verraten, wie die ausgewählten Kinder aus dem Waisenhaus gebracht worden sind und wie viele Bewohner jedes Jahr ums Leben gekommen sind. Die nächste Gruppe soll in wenigen Tagen abgeholt werden, doch das endgültige Ziel kennt der Verwalter nicht.

Nachdem Xinghe ihre Antworten erhalten hat, verabreicht sie ihm ein Mittel, das seinen Körper bewegungsunfähig macht, sein Bewusstsein jedoch klar lässt. Der Mann, der jahrelang entschieden hat, welche Kinder nutzlos sind, ist nun vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Xinghe erklärt ihm die Ironie nicht. Selbst damit muss er allein fertigwerden.

Bis zum Morgen zeigen die meisten Erwachsenen Symptome. Die Führungskräfte der Helans beraten sich und beschließen, keine externen Ärzte zu rufen: Die Öffentlichkeit würde ihren Ruf zerstören. Statt die Menschen zu retten, schlagen sie vor, das Waisenhaus mitsamt allen Infizierten und Unterlagen niederzubrennen. He Bin, der weiterhin Helan Qi spielt, stimmt dem Befehl zu. Genau diese Reaktion hat Xinghe erwartet. Nun stammt der Plan, die Zeugen zu vernichten, von der Familie selbst und kann zu einem weiteren Beweis gegen sie werden.

Vor der Brandstiftung bringt das Team das Archiv aus dem Keller, evakuiert heimlich die Kinder und lässt die nicht infizierten Ärzte und Wachleute rechtzeitig vom Gelände bringen. Zurück bleiben nur die an der Operation Beteiligten, die durch den Impfstoff geschützt sind. Dann bricht im Waisenhaus ein Feuer aus. Die Leute der Helans glauben, die Flammen würden die Kranken vernichten und alle Spuren beseitigen. Tatsächlich sind sämtliche Kinder bereits in Sicherheit, die Dokumente sind gerettet, und der Brand soll die Polizei, die Presse und das ganze Land auf den Plan rufen.

Bei Tagesanbruch ist der Brand die wichtigste Nachricht in Land R. Cui Qian übergibt der Polizei unverzüglich eine Liste der Beamten, Wachleute und Mittelsmänner, die seit Jahren mit den Helans in Verbindung stehen. Die Polizei nimmt sie gleichzeitig fest, damit die Verdächtigen einander nicht warnen können. Auch das Satellitenzentrum wird unter Bewachung gestellt. Die Familie, die es gewohnt ist, Ermittlungen aus dem Hintergrund zu lenken, kann den Einsatz diesmal nicht stoppen: Offiziell ist He Bin weiterhin ihr Oberhaupt, der Präsident handelt offen, und das Archiv des Waisenhauses befindet sich bereits in Xinghes Händen.

Im Satellitenzentrum findet Xinghe weder ihre Mutter noch Yi Chens Eltern. Auch von den zwanzig- bis dreißigjährigen Fachkräften fehlt jede Spur, obwohl das Waisenhaus seine besten Bewohner jedes Jahr genau hierher geschickt hat. Eine ganze Generation ist verschwunden. Helan Long, der Leiter des Zentrums, schreit noch immer, die Polizei werde ihr Eindringen bereuen, doch seine Drohungen halten niemanden mehr auf. Jetzt muss Xinghe nur noch eines herausfinden: Wohin die begabten Kinder von der Satellitenbasis aus gebracht worden sind und wer am anderen Ende dieser Route auf sie gewartet hat.

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