Die Lüftung bringt uns auf Ebene zweiundzwanzig.
Hinter dem Gitter beginnt ein Bindungslabor: weiße Korridore, goldene Linien im Boden, Operationstische. In den durchsichtigen Wänden bewegen sich die Schatten von Bestien.
Der verletzte Kapitän wartet auf einem Rohr. Er kann weiterfliegen. Wir nicht.
Leon hält seinen Ring an die Tür. Die Konsole erkennt die Familie und verlangt dann Kanes Bestätigung. Der alte Zugang des Sohnes ist bereits widerrufen.
„Zur Seite“, sagt Lily.
Sie nimmt die Abdeckung ab und verbindet die verbrannte Seite meines Vertrags mit der Konsole. Das Pfandsiegel zählt mich zum Eigentum der Familie Li. Deshalb hat es Zutritt zum Labor der beschlagnahmten Bestien.
Die Schuld, die Styx fangen sollte, öffnet uns den Weg zu ihr.
Die Tür geht auf.
Drinnen riecht es nach Medikamenten und Ozon. An der Wand leuchtet ein Plan der Krone der Bindung. Der Splitter des Titanenkerns versorgt nur einen kleinen Teil des Steuerkreises. Deshalb hat Kane die Energieverteilung der Stadt angeschlossen. Der Strom fließt in das untere Labor des Leerendrachen und in den oberen Bereich der Königin.
Styx ist über uns.
„Wir teilen uns auf“, sagt Cole. „Lily und Mira gehen zum Steuerknoten. Leon nach unten zum Drachen. Rex und ich nach oben.“
Leon zögert.
„Wenn Kane die Krone startet, kann sie das Signal ohne den Drachen nicht leiten.“
„Dann lass ihn die Bestie nicht benutzen.“
„Und wenn der Reif stärker ist als ich?“
Ich denke daran, wie Styx den Angriff verweigert hat.
„Frag den Drachen, ob er mit dir gehen will.“
Leon will widersprechen, überlegt es sich anders und geht zum Aufzug.
Wir nehmen die Wartungstreppe. Auf jedem Absatz stehen Kämpfer ohne eigene Bestien. Cole schaltet die Bediener aus, ich benutze den Impulsgeber. Der Blutrhythmus stört die künstlichen Steuerkreise für ein paar Sekunden. Die Soldaten schaffen es, sich die Kabel aus dem Hals zu reißen.
Einer der Befreiten zeigt auf die obere Tür.
„Da ist der Patriarch. Er redet mit der Königin.“
Hinter der Tür liegt ein runder Saal ohne Fenster. In der Mitte einer goldenen Konstruktion hängt Styx’ Käfig. Rundherum stehen Tanks mit Blut und Nährlösung. Dünne Schläuche führen zu Auffangbehältern für Eier.
Kane will Styx nicht einfach unterwerfen.
Er will sie zwingen, einen Schwarm zu erschaffen, der ihm von Geburt an gehört.
Styx liegt am Boden des Käfigs. Goldene Ringe pressen ihre sechs Flügel herunter. Weiße Linien des äußeren Steuerkreises brennen auf ihrem Panzer.
Kane steht ohne Wachen daneben.
„Du bist also doch gekommen“, sagt er. „Sogar ohne Armee.“
„Lass sie frei.“
„Warum? Du selbst hast die Königin zur Produktion von Soldaten benutzt. Ich biete ihr nur bessere Bedingungen: endloses Futter, ein geschütztes Nest und ein Ziel, das ihrer Art würdig ist.“
Kane berührt die Konsole. Warmes Blut steigt in den Tanks.
Styx bewegt sich.
„Sie braucht dich nicht, Rex. Sie braucht einen Schwarm. Du warst nur ihre erste Futterquelle.“
Ich hebe den Impulsgeber und starte den Rhythmus, den sie im Ei gehört hat.
Styx öffnet die Augen.
Kane lächelt.
„Dann fragen wir sie.“
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