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REX WANG UND STYX

Kapitel 21. Der einzige Überlebende

Der Kanal beginnt unter dem Stadtgericht.

Wir steigen durch einen alten Brunnen hinunter und kriechen an einem heißen Rohr entlang. Über uns dröhnt das Archiv. Alle paar Minuten öffnet sich eine Metallluke, und ein Bündel ausgemusterter Verträge fällt in den Strom.

Lily fischt die Papiere mit einem Haken heraus. Selbst die vernichteten Verträge tragen noch die Siegel von Menschen und Bestien. Viele enthalten einen Vermerk, dass die Familie Li nach Schulden, Festnahme oder Tod des Besitzers die Rechte übernommen hat.

„Sie haben jahrelang Bindungen gesammelt“, flüstert sie.

„Keine Bindungen“, sagt Mira. „Zugriff.“

Am Ende des Kanals liegt eine Sortierkammer. Statt Müll stehen dort Glasbehälter mit lebenden Bestien. Ihre Besitzer sind tot oder haben ihre Lizenz verloren, doch der äußere Steuerkreis läuft weiter. Die Gilde lässt die Wesen nicht frei. Sie lagert sie als fertige Knoten für fremde Kontrolle.

Im kleinsten Behälter schlägt eine rote Mücke gegen das Glas.

Ein Schwarmkapitän.

Derselbe, den Kane an der Station benutzt hat.

Ich trete an das Glas. Das Systemfenster erscheint nicht. Dafür spüre ich einen schwachen Stich im Kopf. Kein Befehl, keine Bindung. Wiedererkennen.

Der Kapitän wirft sich gegen die Wand neben meiner Hand.

„Er erinnert sich an dich“, sagt Lily.

„Er erinnert sich an Styx.“

Mira findet eine Leitung, die vom Behälter nach oben führt. Der Kapitän ist die Referenz für die Kalibrierung des Käfigs. Solange er hier ist, vergleicht das Gerät jeden Impuls von Styx mit dem Verhalten eines unterworfenen Knotens und dämpft jede Abweichung.

„Wenn wir ihn befreien, wird der Käfig schwächer“, sagt sie. „Kane bekommt aber sofort Alarm.“

Laut Plan sollte der Alarm später kommen.

Ich sehe die Mücke an, die immer wieder gegen das Glas fliegt.

„Mach auf.“

Mira legt den Zustimmungsschlüssel an. Die Platte verlangt die Bestätigung der Bestie. Der Kapitän berührt die Wand von innen.

Der Behälter öffnet sich.

Die Mücke fliegt heraus und landet auf meinem Finger. Sie ist kleiner als Styx. Ihr Panzer ist verbrannt, ein Flügel zur Hälfte verkohlt. Durch den kurzen Kontakt kommen Fetzen: ein Käfig, goldene Ringe, die Stimme der Königin irgendwo über uns.

Styx lebt.

Der Kapitän kann das System nicht wiederherstellen, spürt aber die Richtung. Er hebt ab und fliegt zu einem Lüftungsgitter.

In diesem Moment geht im Archiv der Alarm los.

Cole sieht auf die Uhr.

„Wir liegen nicht mehr im Zeitplan.“

„Dafür kennen wir jetzt den Weg.“

Aus den anderen Behältern kommt Lärm. Die Bestien haben mitbekommen, dass sich ein Käfig geöffnet hat, und drängen zu uns.

Alle zu befreien würde auf jeder Ebene Alarm auslösen und Wesen freisetzen, die jahrelang allein eingesperrt waren. Sie zurückzulassen hieße, an genau dem System vorbeizugehen, gegen das wir kämpfen.

Mira wartet nicht auf eine Entscheidung. Sie steckt den Schlüssel in die zentrale Konsole.

„Ich öffne nur die inneren Schlösser. Die Außentüren bleiben bis zum Evakuierungssignal zu. Sonst geraten sie unter die Sicherheitssiegel.“

Lily schließt den Archivträger an und legt eine Route zum alten Lastenausgang fest. Cole markiert den Raum für seine Leute draußen.

Wir können die Bestien nicht sofort retten. Aber wir geben ihnen einen Weg, der sich beim Rückzug öffnet.

Der Schwarmkapitän verschwindet in der Lüftung. Ich folge ihm.

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