Cole holt sein Sergeantenabzeichen aus der Innentasche.
Seit der Station ist das Metall schwarz. Auf der Rückseite leuchtet noch seine Nummer bei der Stadtwache. Formal hat Kane ihm den Rang nicht entzogen. Der Suspendierungsbefehl steckt zusammen mit Hunderten anderen Entscheidungen im Rat fest.
„Das Siegel nimmt es an“, sagt Rem.
„Und hält fest, dass ich seine Macht wieder anerkannt habe.“
Das weiße Feuer erreicht die nächste Reihe. In mehreren Zellen schreien gleichzeitig Bestien.
Cole steckt das Abzeichen in die Aufnahme.
Das Archiv verlangt die Bestätigung der Säuberung.
An der Wand erscheint Kanes Befehl. Das Lager ist kontaminiert. Sein Inhalt bedroht die Stadt. Die Notstandsverwaltung hat die Vernichtung genehmigt.
Unter dem Befehl blinkt ein Feld für die Unterschrift eines Sergeanten.
„Ablehnung nicht vorgesehen“, meldet das Archiv.
Cole versucht, den Bereich für Vorfälle zu öffnen. Das System sperrt ihn. Auch als er den Angriff auf die Einheit der Stadtwache melden will, verliert er den Zugriff.
Kane hat der Uniform nur noch eine Handlung gelassen.
Gehorchen.
Rem lehnt sich gegen das Gitter. Sein verbrannter Arm lässt sich nicht mehr beugen.
„Bestätige den Befehl“, sagt er. „Dann öffnet sich für eine Sekunde das interne Protokoll. Ich trage eine Korrektur ein, bevor das Feuer den Befehl bekommt.“
„Und wenn du es nicht schaffst?“
„Dann steht meine Unterschrift endlich dort, wo sie hingehört.“
Cole sieht zu den Bestien hinter dem Glas.
„Nein. Ich unterschreibe kein einziges Mal mehr blind.“
Er wählt die Zeile mit dem Befehl und verlangt die Begründung.
Das Archiv öffnet eine Kette von Dokumenten.
Zuerst die Brandstiftung im Schuldenlager des Färberviertels. Dann die gefälschte Bewertung des Titanenkerns und die Beschlagnahmung des Eis der Familie Wang. Danach kommen die Vorbereitung des ersten Haftbefehls vor meiner Rückkehr aus den Wildlanden, die Versuche mit weißen Markierungen an Gefangenen und der Plan für die Herde an der Nordmauer.
Kane hat seinen Säuberungsbefehl auf den eigenen Verbrechen aufgebaut. Er hat damit gerechnet, dass mitten in einem Feuer niemand nach der Begründung fragt.
„Lily, siehst du das?“, frage ich.
Der Kristall auf Rems Brust schweigt.
Das weiße Feuer stört die Übertragung.
Der blinde Vogel setzt sich auf das Gitter und hackt nach der Ader der Verbindung. Der Steinhund drückt seine Pranken gegen den Boden, der Erdgeist dringt in die Wand. Die drei Wesen verstehen die Dokumente nicht. Sie spüren aber, wohin das zerstörerische Siegel läuft.
Für einen Augenblick wird der Kanal frei.
„Ich sehe es“, antwortet Lily durch das Knacken.
Cole trägt keine Ablehnung des Befehls ein, sondern eine Zeugenaussage über ein Verbrechen in dessen Begründung. Rem setzt sein Gutachtersiegel darunter und bestätigt die Fälschung. Leon benutzt den widerrufenen Familiencode, um einen Eigentumsstreit zu verlangen.
Drei unvereinbare Stimmen zwingen das Archiv, die Säuberung anzuhalten.
Der Timer bleibt bei dreiundvierzig Sekunden stehen.
Das interne Protokoll läuft zu Lily. Kane schaltet sofort die städtische Übertragung ab. Da steigen die Lichtgeister der Akademie über die Dächer und projizieren die Dokumente auf den Schutzschild. Weiße Zeilen ziehen sich über den Himmel.
Jede Straße sieht die Unterschriften.
Kane versucht, Coles Abzeichen einzuziehen.
Das Metall wird glühend heiß. Cole hält es fest, bis die letzte Seite draußen ist. Dann reißt er das Abzeichen aus der Aufnahme und wirft es zu Boden.
Es schmilzt.
„Zeuge Cole“, meldet das Archiv.
Kein Sergeant.
Cole sieht auf die erloschene Nummer.
„Jetzt stimmt es.“
Das Feuer ist aus, aber die Türen nach draußen bleiben verriegelt. Im Lager sind Dutzende Wesen, der verletzte Rem und ein Protokoll, das Kane noch immer zur Fälschung erklären kann.
Der Leerendrache sinkt auf den Stein. Er kann den Riss nicht mehr halten.
Auf der anderen Seite der Wand setzen sich die alten Gütermaschinen dröhnend in Bewegung.
Taya hat einen Weg zu uns gefunden.
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