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REX WANG UND STYX

Kapitel 72. Der Preis des Widerspruchs

Lily bedankt sich nicht für das Licht.

„Öffne das Osttor.“

„Da ist ein Raubtier.“

„Mira ist mit einem Betäubungsmittel unterwegs.“

Ich sehe den Weg ihrer Gruppe. Sie braucht vier Minuten. In der Zeit kann die Bestie drei Menschen verletzen.

„Zu lange.“

„Für wen?“

Die Frage ärgert mich, weil die Krone eine genaue Antwort kennt: für die drei möglichen Opfer.

Leon verlangt, dass ich den Drachen loslasse. Ich halte das Herz der Bestie mit einem gleichmäßigen Impuls am Schlagen. Sonst könnte es wieder stehen bleiben.

„Er stirbt“, sage ich.

„Dann lass mich sein Herz mit meinen Händen halten.“

„Du bist zu langsam.“

„Vielleicht.“

Auf dem Fenster erscheint eine Wahl: den erzwungenen Rhythmus beibehalten oder die Kontrolle einem schwachen Menschen ohne medizinische Ausbildung überlassen. Bei mir ist seine Überlebenschance höher.

Ich lasse den Impuls laufen.

Der kleine Drache öffnet die Augen und versucht, von Leon wegzukriechen. Sein Körper gehorcht nicht. Die Krone betrachtet Reglosigkeit als medizinische Maßnahme.

Styx hebt wieder den Stachel.

Ich könnte ihren unabhängigen Kern anschließen. Ihr ihre Stimme, ihre Flügel und unsere alte Verbindung zurückgeben. Gleichzeitig könnte ich verhindern, dass sie mich ausgerechnet dann stoppt, wenn die Stadt eine Führung braucht.

Das Fenster wartet bereits auf meine Bestätigung.

Kane beobachtet mich schweigend.

Er muss mich nicht überzeugen. Die Argumente stehen mit den Wahrscheinlichkeiten vor meinen Augen.

Ich schließe die Aktion und nehme den Impuls vom Drachen.

Die Bestie schnappt nach Luft. Leon presst die Hände auf ihre Brust und zählt die Schläge laut. Der Rhythmus stolpert. Einmal hält das Herz an. Ich muss mich zwingen, keinen neuen Befehl zu geben.

Als Mira das Osttor erreicht, wirkt das Betäubungsmittel nicht sofort. Das Raubtier verletzt noch einen Kämpfer, bevor es zu Boden geht.

Die Krone meldet:

„Vermeidbare Verletzung.“

Lily hört die Meldung.

„Ja“, sagt sie. „Das ist der Preis unserer Entscheidung.“

„Der Kämpfer hat sich nicht dafür entschieden, der Preis zu sein.“

„Deshalb müssen wir ihm gegenüber dafür einstehen. Aber seine mögliche Wunde gibt dir auch nicht das Recht, alle zu kontrollieren.“

Ich öffne den gemeinsamen Kanal.

Die Stadt kehrt nicht als ordentlicher Chor zurück, sondern als Lärm. Das östliche Viertel will das Tor öffnen, der Norden will den Schild behalten. Die Färber streiten darüber, wohin das Wasser soll, die Kliniken verlangen Vorrang bei der Energie. Bestien antworten mit Gerüchen, Angst, Hunger und Bildern von Ausgängen.

Ich versuche, eine Reihenfolge zu schaffen.

Styx berührt das Fenster und leitet alle Antworten gleichzeitig weiter.

Die Krone wird langsamer.

Die optimalen Entscheidungen widersprechen einander. Um der Klinik mehr Energie zu geben, müsste ich Tayas Pumpen stoppen. Um den Schild zu halten, den freien Bestien den Weg versperren. Um den Heilfuchs nicht zu zwingen, drei Patienten ohne Hilfe lassen.

Kane steht auf.

„Du machst das System absichtlich schwach.“

„Ich bringe jene zurück, für die es arbeiten soll.“

„Sie müssen das Ganze nicht verstehen.“

„Und ich muss nicht entscheiden, dass ihr Teil unwichtig ist.“

Während die Stimmen durch die Krone laufen, holen sich die Menschen ihre eigenen Handlungen zurück. Taya verteilt das Wasser von Hand auf die Pumpen. Mira schreibt auf, für wen die Behandlung nicht reicht. Cole öffnet einen Flügel des Osttors und stellt Kämpfer entlang des schmalen Durchgangs auf. Leon hält den Atem des Drachen mit seinen Händen.

Sie sind langsamer.

Sie machen Fehler.

Und sie warten nicht mehr auf meinen nächsten Gedanken.

Die weiße Rüstung an meinen Armen bekommt Risse.

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