Die erste Winterkrise kommt ein halbes Jahr später.
Eine Donnerechse erscheint vor der Nordmauer. Aus dem Archivzimmer bietet Kane ein einzelnes Siegel an und verspricht, die Bestie innerhalb einer Minute abzulenken.
Ein Teil des Rates ist dafür.
Die Angst ist nicht verschwunden.
Statt des Siegels prüft Mira die Berechnungen. Die Färber bereiten die heißen Kanäle vor, die Schwarmkapitäne erklären sich bereit, die Echse mit Rauch zu blenden. Der erste Plan scheitert. Der Wind dreht, die Bestie läuft auf ein Wohnviertel zu.
Cole verlangt von den beiden nächsten Abschnitten eine Entscheidung. Der eine will die inneren Tore schließen und die äußere Straße aufgeben. Der andere bringt die Bewohner bereits heraus und bittet um zehn weitere Minuten mit offenem Durchgang.
Der Rat kann sich nicht rechtzeitig versammeln.
Taya meldet die Windrichtung. Mira warnt, dass die Klinik nur Platz für zwanzig Schwerverletzte hat. Leon schlägt vor, mit dem kleinen Drachen einen kurzen Riss zu öffnen. Die Bestie weigert sich, der Donnerechse nahezukommen.
Leon fragt kein zweites Mal.
Die beiden Mauerabschnitte warten nicht auf eine gemeinsame Entscheidung. Die einen fluten den Graben. Die anderen reißen die Steinverkleidung ab und bauen einen falschen Durchgang zum Fluss.
Ein dritter Abschnitt öffnet sein Lager und verteilt ohne Unterschrift des Rates feuerfeste Mäntel an die Bewohner. Im Protokoll stehen der Name des Diensthabenden und die genaue Zahl der fehlenden Ausrüstungen. Niemand nennt das perfekte Ordnung.
Der Einsatz dauert sechs Stunden und kostet zwei Türme.
Die Krone wäre schneller gewesen.
Die Stadt hat es selbst geschafft.
Als ich in die Klinik zurückkomme, ist Styx’ Box leer. Im Schnee hinter dem Fenster sind winzige Spuren.
Lily und ich finden sie am äußeren Rand der Westmauer. Der künstliche Flügel liegt neben ihr. Aus ihrem Rücken ist ein echter gewachsen. Klein und farblos.
Hinter der Mauer wartet derselbe unabhängige Kapitän. Über dem Feld kreist ein freier roter Schwarm.
Lily schaltet den Sender nicht ein.
Styx berührt mit ihren Fühlern den Kapitän und steigt hinter ihm auf. In den Wildlanden warten Artgenossen und ein Ort, an dem sich niemand an eine Königin erinnert. In der Stadt bleiben Behandlung, Erwartungen und ein Mensch, der einmal geglaubt hat, niemand könne sie ihm wegnehmen.
Ich rufe sie nicht.
Ich öffne meine Hand.
Styx fliegt eine Runde über der Mauer und dann hinaus. Der rote Punkt wird immer kleiner, bis er im winterlichen Feld verschwindet.
Eine Minute vergeht.
Ich senke die Hand.
Styx landet auf meinem Handgelenk.
Sie kehrt nicht in meine Hand zurück. Sie geht selbst auf die offenen Finger und legt ihre Flügel zusammen.
Keine Stimme nennt ihren Rang. Ich höre keine Gedanken und weiß nicht, ob sie morgen noch bleibt.
Hinter uns liegen die Wildlande. Vor uns öffnen sich das Stadttor und der Weg nach Hause.
Ich gehe vorsichtig weiter. Die Hand bleibt offen.
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