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REX WANG UND STYX

Kapitel 82. Ein gewöhnliches Leben

Am Tor halte ich die Dose nicht über meinen Kopf.

Ich bringe sie direkt zu Mira.

Vor ihr liegt eine verletzte Bestie niedrigsten Ranges. Ohne Kern, ohne Evolutionen und mit nur einem Flügel. Ihre Lebenserwartung ist wieder die einer gewöhnlichen Mücke.

Eine Seite der Box bleibt offen. Wenn Styx gehen will, wird das Licht ausgeschaltet. Jede Behandlung dauert fünfmal so lange, dafür hält sie niemand mit einem Siegel fest.

Am ersten Tag lässt sie Mira den verletzten Flügel nicht berühren. Mira stellt die Instrumente vor die offene Box und geht zurück. Eine Stunde später kriecht Styx von selbst zu dem schmerzlindernden Kristall.

Am zweiten Tag kommt Arden. An der Tür sieht er ihren Rüssel und erstarrt. Die Finger seiner rechten Hand beginnen zu zittern.

„Ich bin nicht bereit, mit ihr in einem Zimmer zu sein“, sagt er.

Styx versteckt sich hinter der Wand der Box.

Arden geht. Niemand nennt ihn feige. Einen Monat später kommt er zurück und setzt sich an die gegenüberliegende Wand. Noch eine Woche später lässt er die Tür schließen, bittet aber darum, das Fenster offen zu lassen.

Am dritten Morgen beißt sie mich in den Finger. Kein System erscheint. Styx bekommt einfach Blut.

Eine Woche später erfährt die Stadt von ihrer Rückkehr und verlangt, ihre Beschützerin zu sehen. Als die Menge Styx mit ihren dankbaren Rufen erschreckt, beschließt der Rat eine neue Regel: Wer gerettet wird, bekommt kein Recht auf seinen Retter.

Weitere Regeln ändern sich. Schweigen gilt nicht mehr als Zustimmung. Beobachter dürfen einen Vertrag stoppen, wenn ein Mensch den Ausgang versteckt oder Hunger ausnutzt. Leon eröffnet eine Werkstatt für Bestienprothesen und baut Styx einen künstlichen Flügel. Der kleine Drache testet als Erster die Halterung und zerlegt dabei zwei Tische.

Den ersten Flügel wirft Styx nach einer Minute ab. Leon will den Riemen enger machen, doch der kleine Drache stößt ihn mit der Stirn ans Knie. Das zweite Modell wird schwerer und bleibt neben der Box liegen. Styx legt es erst nachts an, als niemand mehr in der Werkstatt ist.

Nach drei Wochen schlüpft das Ei aus dem Nest. Die kleine Mücke hört nicht auf Styx und fliegt zweimal aus dem Fenster. Beim dritten Mal kehrt sie von selbst zum heilenden Licht zurück. Im Archiv wird sie ohne Besitzer und ohne Pflicht eingetragen, sich einem Schwarm anzuschließen.

Lily baut das Stadtarchiv auf. Arden verlangt den Zusatz, dass er unter der Kontrolle des Parasiten alles gespürt hat. Taya ersetzt „Anhänger von Rex“ durch „Bewohner, die ihre Häuser gerettet haben“. Leon streicht den Satz über das Opfer des Drachen. Die Bestie hat ihre Gründe nicht erklärt.

Die Geschichte wird unbequemer und wahrer.

Styx lernt fliegen. Erst fällt sie in eine Tasse, dann unter einen Schrank. Meiner Hand weicht sie aus.

Ich höre auf, ihr nach jedem Versuch die Hand hinzuhalten.

Wir lernen, in einem Zimmer zu sein, ohne unsere Verbindung ständig bestätigen zu müssen.

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