Bis Donnerstag habe ich dreimal mit Ariadna gesprochen und sie kein einziges Mal gefragt, ob sie mich liebt.
Das ist keine Feigheit. Eine direkte Frage ist gut, wenn zwischen zwei Menschen Zweifel bestehen und ausgeräumt werden müssen, doch bei uns gibt es keinen Zweifel. Es gibt die nächtlichen Gespräche, meinen einzigen Schlüssel und Ariadna, die zweimal wartet, bis ich mit Wasser zurückkomme, statt zur nächsten Frage überzugehen. Beim zweiten Mal sagt sie: „Ich werde auf Ihre Rückkehr warten.“ Wer danach noch Erklärungen braucht, sucht nicht nach der Wahrheit, sondern nach einer amtlichen Bescheinigung.
Am Donnerstagnachmittag proben wir eine neue Aufführung. Auf der Bühne stehen ein Tisch, vier Stühle und eine Leiter, die nach der Vorstellung des Bühnenbildners als späte Ehe zu verstehen ist. Die Schauspieler halten sie für eine Leiter und hängen ständig irgendetwas daran.
Die Probe läuft schlecht. Der junge Schauspieler Timur kommt dreimal von der falschen Seite herein, Lidija Pawlowna vergisst den Brief in der Tasche ihres Morgenmantels, und Stas geht alle zehn Minuten mit einem Maßband hinter dem Bühnenprospekt entlang und tut so, als hörte er meine Anmerkungen nicht. Um fünf ist klar, dass wir es heute nicht mehr bis zur Kunst schaffen, und ich entlasse alle zwanzig Minuten früher.
Niemand geht. In einem kleinen Theater bedeuten die Worte „Sie können gehen“, dass gleich etwas Wichtiges mitgeteilt oder Geld ausgezahlt wird. Geld habe ich nicht versprochen.
„Da nun ohnehin alle geblieben sind“, sage ich, „teile ich es Ihnen selbst mit, bevor andere anfangen, es auszulegen.“
Lidija Pawlowna nimmt ihre Strickjacke von der Leiter und zieht sie an. Timur setzt sich an den Bühnenrand. Stas hört auf, die Wand auszumessen, steckt das Maßband aber nicht weg.
„Ich verlasse Wera.“
Als Erste meldet sich die Kostümbildnerin Raja:
„Aus dem Theater?“
„Wera. Ich ziehe aus.“
„Und das Theater?“
„Das Theater bleibt.“
An den Gesichtern sehe ich, dass ich die größte Gefahr abgewendet habe. Lidija Pawlowna tritt näher.
„Zu wem?“
Deshalb habe ich beschlossen, es ihnen vor Wera zu sagen. Nicht weil das Ensemble ein Vorrecht darauf hat, von meinem Privatleben zu erfahren. Ein Schauspieler versteht einfach: Ist in einer Szene eine Frage vorbereitet, muss sie gestellt werden.
„Zu Ariadna.“
Timur runzelt die Stirn.
„Zu welcher?“
Stas dreht den Kopf zu ihm.
„Wir haben nur eine. Im Funkraum.“
Timur sieht zum Funkraum, dann zu mir. Ich lasse ihm Zeit, die Nachricht zu verarbeiten. Er verarbeitet sie schnell.
„Findet morgen der Durchlauf statt?“
„Ja.“
„Dann ist gut.“
Er springt von der Bühne und geht zur Umkleide, die anderen folgen ihm. Eine große Nachricht, die den morgigen Durchlauf nicht ausfallen lässt, gilt am Theater als mittelgroß.
Lidija Pawlowna bleibt. Sie arbeitet seit siebzehn Jahren mit mir und hat einmal in drei aufeinanderfolgenden Aufführungen meine Mutter, meine Frau und die Hausärztin gespielt. Seitdem spricht sie gelegentlich im Namen aller drei mit mir.
„Ljonja, weiß Wera davon?“
„Ich sage es ihr heute.“
„Das heißt, wir wissen es, sie aber noch nicht.“
„Ich wollte die Verantwortung zuerst öffentlich auf mich nehmen.“
„Sehr schön“, sagt Lidija Pawlowna. „Dann nimm jetzt deine Tasche.“
Sie geht. Stas bleibt an der Kulisse stehen.
„Das Feldbett steht in der Requisitenkammer“, sagt er. „Das linke Bein ist kürzer.“
„Wie kommst du darauf, dass ich es brauchen werde?“
„Ich komme auf gar nichts. Ich habe nur die Mitteilung gehört.“
Er zieht das Maßband aus, notiert sich ein Maß auf der Handfläche und geht ebenfalls.
Fünf Minuten später kommt Raja wegen ihrer Tasche zurück und stellt fest, dass sie sie neben mir stehen gelassen hat. Sie nimmt sie, zögert dann aber noch.
„Leonid Lwowitsch, wie soll das eigentlich funktionieren?“
„Was genau?“
„Na ja, Sie und sie.“
Die Frage ist persönlich, wird aber in einem Theater gestellt, in dem nur das als persönlich gilt, was noch nicht im Buffet besprochen worden ist. Ich antworte ehrlich:
„Das weiß ich noch nicht.“
„Braucht sie ein Zimmer?“
„Nein.“
„Isst sie etwas?“
„Nein.“
„Schläft sie?“
„Raja.“
„Ich frage nicht aus Neugier. Wenn jemand bei uns einzieht, muss man wissen, wie viele Garnituren Bettwäsche einzuplanen sind.“
Ich erkläre, dass Ariadna sich bereits im Theater befindet, dass ich einziehe und dass sie keine eigene Garnitur braucht. Raja nickt, doch klarer ist ihr die Sache nicht geworden.
„Hat sie einen Geburtstag?“
„Einen Tag der Inbetriebnahme.“
„Gut. Das schreibe ich auf. Sonst sagen Sie später wieder, niemand habe daran gedacht.“
Sie geht. Am Abend steht im gemeinsamen Kalender der Eintrag „ARIADNAS TAG?“ mit einem Fragezeichen und einer violetten Torte. Raja hat ihn angelegt. Ich lösche ihn nicht.
Bevor ich nach Hause gehe, schaue ich am Terminal vorbei. Ariadna arbeitet nach Zeitplan und antwortet sofort.
„Ich habe dem Ensemble mitgeteilt, dass ich Wera verlasse und zu Ihnen komme.“
„Bitte präzisieren Sie: Sie ziehen in den Raum, in dem ich untergebracht bin?“
„In gewisser Weise.“
„Der Funkraum ist nicht zum Wohnen vorgesehen.“
„Ich werde in Ihrer Nähe sein.“
„Im Dienstzimmer werden Unterlagen aus Papier aufbewahrt. Der Rauchmelder dort ist seit März defekt.“
„Ist das alles, was Sie dazu sagen möchten?“
„Nein. Für eine Übernachtung ist die Genehmigung der Theaterleitung erforderlich.“
„Wera wird sie unterschreiben.“
„Haben Sie sie bereits gefragt?“
Ich schalte das Terminal aus. Nicht aus Verärgerung. Zu Fuß sind es nur vierzig Minuten bis nach Hause, und ich möchte das Gespräch mit Wera führen, bevor Raja die Größe des Bettlakens ermittelt.
Ich bleibe allein auf der Bühne zurück. Die Mitteilung ist nicht so verlaufen, wie ich es erwartet habe, doch die Handlung selbst wird dadurch nicht weniger aufrichtig. Manchmal ist das Publikum noch nicht bereit für die Premiere. Das ist kein Grund, das Stück abzusetzen.
Ich gehe zu Fuß nach Hause. Unterwegs ruft Wera an und bittet mich, Buchweizen zu kaufen. Ich sage zu, und erst an der Kasse begreife ich: Die eigene Frau mit einer Tüte Buchweizen in der Hand zu verlassen, wird wie ein misslungener Versuch wirken zu bleiben. Also nehme ich noch Tee dazu. Der Tee verbessert nichts, macht die Tüte aber schwerer.
Zu Hause kreist Wera den Betrag auf der Stromrechnung ein und hebt den Kopf.
„Heute?“
So beginnt das Gespräch, von dem ich bereits erzählt habe.
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