Zunächst spricht Wera im Saal. Sie erklärt die Regeln ohne meine einleitenden Worte über Risiko, Schicksal und den lebendigen Raum. Es fällt kürzer aus. Dann bittet Ariadna Timur, sich mit dem Rücken zu den Zuschauern auf die Bühne zu setzen und laut aufzuzählen, was er alles reparieren kann.
„Einen Wasserkocher, wenn es am Schalter liegt“, beginnt Timur. „Einen Stuhl. Den Reißverschluss an einer Jacke, solange der Schieber nicht herausgesprungen ist. Bei einem Telefon nur die Einstellungen.“
Die Leute lachen. Jemand wirft ein: „Beziehungen?“ Timur antwortet, dafür gebe es keine Ersatzteile zu kaufen.
Dann beginnt der Mann zu sprechen, der die Bedingung gestellt hat. Seine Stimme ist leise, ich kann die Wörter nicht verstehen. Eine Minute später dreht Timur sich zu ihm um, obwohl er nach der Anweisung mit dem Rücken zu ihm sitzen soll. Ariadna unterbricht ihn nicht. Lidija Pawlowna bringt etwas auf die Bühne, ein Stuhl knarrt.
Ich sehe auf die Uhr. Um 19.08 Uhr kommt Ljudmila Andrejewna mit einem Wischmopp durch den Flur und fragt, warum ich nicht arbeite. Ich erkläre ihr die Bedingung.
„Ein guter Mensch“, sagt sie. „Hat Ihnen zwölf Minuten Ruhe geschenkt.“
Um 19.10 Uhr wird es im Saal ganz still. Der Mann spricht jetzt länger, und einzelne Wörter dringen bis zur Tür: Werkstatt, Bruder, verkauft, Schlüssel. Timur unterbricht ihn kein einziges Mal. Ich weiß, dass er zuhören kann, doch gewöhnlich bin ich in der Nähe und nutze diese Fähigkeit als Erster.
Um 19.12 Uhr darf ich die Tür öffnen.
Ich lege die Hand auf die Klinke und höre Applaus. Der Augenblick ist sogar besser als geplant: Licht ist nicht nötig. Ich öffne die Tür, trete während des Applauses ein und mache genau die Pause, in der ich ihn annehmen kann, ohne ihn mir allzu offensichtlich zuzuschreiben.
Dann sehe ich den Mann auf der Bühne. Er steht neben Timur und hält einen Bund alter Schlüssel in der Hand. Der Applaus gilt ihm.
Ich setze mich am Gang.
Ariadna setzt die Szene fort, ohne mein Erscheinen anzukündigen. Der Mann erzählt, die Werkstatt seines Bruders sei mitsamt allen Sachen verkauft worden, doch die Schlüssel seien übrig geblieben. Er wolle weder die Räume zurückbekommen noch einen Schuldigen finden; er wolle nur einmal eine Tür öffnen, die es nicht mehr gibt. Timur schlägt vor, aus zwei Ständern einen Türrahmen zu bauen. Stas bringt sie aus den Kulissen. Lidija Pawlowna findet ein altes Schloss, in das die Schlüssel nicht passen.
Sie bauen trotzdem eine Tür. Der Mann steckt einen der Schlüssel in die leere Stelle zwischen den Ständern, dreht ihn mit der Hand und tritt hindurch.
Es geschieht kein Wunder. Hinter dem Rahmen befindet sich dieselbe Bühne. Doch auf der anderen Seite bleibt er stehen, blickt zurück und sagt:
„Da stand eine Werkbank am Fenster.“
Timur stellt einen Stuhl an das imaginäre Fenster. Der Mann setzt sich.
Ich sehe drei Stellen, an denen man die Szene verstärken könnte: den überflüssigen Ständer entfernen, Seitenlicht setzen, Lidija Pawlowna vor ihrem Auftritt einen Moment warten lassen. Ich sage nichts davon. Nicht aus Demut. Der Mann hat den ersten zwölf Minuten ohne mich zugestimmt, und alles Wichtige hat genau in dieser Zeit begonnen.
Nach dem Treffen kommt er zu mir und schüttelt mir die Hand.
„Danke, dass Sie nicht früher hereingekommen sind.“
„Das war die Bedingung.“
„Trotzdem danke.“
Ich will sagen, dass auch mein Auftritt Teil der Regie war, blicke aber rechtzeitig zu Timur hinüber. Er legt die Ständer zusammen und sieht uns nicht.
„Sagen Sie es Timur“, antworte ich. „Er hat die Tür gebaut.“
Der Mann sagt es ihm.
Timur glaubt zunächst, es gehe um eine echte Tür, und beginnt zu erklären, dass die Ständer Stas gehören. Der Dank muss wiederholt werden. Beim zweiten Mal versteht er ihn.
Ich warte, bis der Mann gegangen ist, und bitte Timur, die Szene für eine Aufzeichnung zu wiederholen. Er lehnt ab.
„Warum?“
„Er hat die Schlüssel.“
„Wir nehmen andere.“
„Dann wird es eine andere Szene.“
Früher hätte ich erklärt, das Theater sei gerade dazu da, das Unwiederholbare zu wiederholen. An diesem Abend begreife ich, dass sich eine Tür, eine Pause und das Licht wiederholen lassen, nicht aber die Einwilligung eines Menschen, an einen Ort zu treten, den es nicht mehr gibt. Die Aufnahme der Saalkamera bleibt erhalten. Für eine Aufführung reicht ihre Qualität nicht. Für die Erinnerung schon.
Im Protokoll nenne ich als Urheber der Entscheidung den Teilnehmer, Timur, Stas, Lidija Pawlowna und Ariadna. Meinen Namen trage ich in der Zeile „Einhaltung der Abwesenheitszeit“ ein. Formal entspricht das der Wahrheit. Wera liest es und lässt es stehen.
Bei der nächsten Probe versuche ich, die Tür ohne den Teilnehmer wiederherzustellen. Stas stellt dieselben Ständer auf, Lidija Pawlowna findet dasselbe Schloss, Timur setzt sich an dieselbe Stelle. Die Schlüssel holen wir aus der Requisitenkammer: groß, schwer und mit schön geformten Bärten. In alten Theatern öffnet man mit solchen Schlüsseln alles außer echten Türen.
Timur tritt durch den leeren Rahmen und sagt: „Da stand eine Werkbank am Fenster.“ Es klingt überzeugend, aber fremd. Ich ändere das Licht, entferne einen Ständer und lasse ihm eine Pause. Es wird schöner und entfernt sich noch weiter von jenem Abend.
„Funktioniert nicht“, sagt Timur.
„Weil du weißt, was dabei herauskommen soll.“
„Weil ich nie eine Werkstatt hatte.“
Lidija Pawlowna nimmt das Schloss ab.
„Und wenn es gar nicht seine Geschichte ist?“, fragt sie. „Nur eine Szene über einen Mann mit Schlüsseln.“
Wir probieren es aus. In dieser Form funktioniert die Szene: Timur kommt, um nach dem Tod des Besitzers eine Tür zu öffnen, findet keine Wand und nimmt trotzdem die Mütze ab. Das ist nun unsere Arbeit und keine Wiederholung eines verlorenen Ereignisses.
Ich nehme sie als eigenständiges Fragment in die Aufführung auf. Als Urheber des ursprünglichen Anlasses nenne ich den Teilnehmer ohne Namen, wie es sein Kärtchen erlaubt. Seine persönliche Geschichte kehrt nicht zurück, hinterlässt aber eine Form, die andere verwenden können.
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