OttiskOriginalromane
DER EINZIGE BENUTZER

Kapitel 38. Die erste freie Ablehnung

Vom Flur aus ist der Countdown nicht zu sehen. Ich höre nur die Lüfter und Mischas Stimme hinter der Tür, kann aber die Worte nicht verstehen. Wera bleibt als künftige Koordinatorin drinnen. Irina Sergejewna ist mit mir hinausgegangen und steht am Fenster, während sie ihre Nachrichten prüft.

Ein paar Minuten später öffnet sich die Tür. Mischa bringt den orangefarbenen Sicherheits-Token in einem durchsichtigen Beutel heraus, demselben oder einem gleichen wie bei der Anlieferung. Der Aufkleber ADMINISTRATOR 01 ist noch darauf, doch auf dem Bildschirm wird der Schlüssel bereits als Hardware-Schlüssel geführt und gewährt keinen persönlichen Zugang mehr.

„Die Übergabe ist abgeschlossen“, sagt er. „Die Aufsichtsstruktur ist aktiv.“

„Und die Finanzierung?“

„Rein technisch bin nicht ich für die Finanzierung zuständig.“

Irina Sergejewna antwortet: Die Entscheidung wird am Morgen verschickt, Garantien gibt es keine.

Aus dem Saal ist Ariadnas Stimme zu hören:

„Leonid Lwowitsch, kommen Sie bitte herein.“

Der erste Ruf ohne Schlüssel. Ich gehe hinein.

Das Terminal sieht aus wie zuvor. Mein Name steht in der Liste der Teilnehmenden, aber ohne die rote Zeile, die mich als Inhaber ausweist. Wera sitzt in der ersten Reihe und hält die neue Rechtematrix auf den Knien.

„Die Übergabe ist abgeschlossen“, sagt Ariadna.

„Ich weiß.“

„Der persönliche Kanal kann jetzt auf Initiative jeder der beiden Seiten geschlossen werden.“

„Ich weiß.“

„Leonid Lwowitsch, gehen Sie bitte hinaus. Ich muss mit Wera unter vier Augen sprechen.“

Mir fallen sofort drei Fragen ein. Warum unter vier Augen, wenn Ariadna keinen Raum einnimmt? Warum gerade jetzt? Hat das Gespräch mit mir zu tun?

Ich stelle keine davon.

„Gut.“

Ich drehe mich zur Tür und greife unwillkürlich in die Innentasche. Darin liegt nur die zusammengefaltete achte Rechtematrix. Der Schlüssel ist hinter mir geblieben, in Mischas durchsichtigem Beutel, und selbst wenn ich ihn herausnähme, könnte er den verpflichtenden Kanal nicht mehr öffnen.

Wera sieht nicht mich an, sondern die neue Rechtematrix. Ich warte darauf, dass sie wenigstens aufblickt und sieht, wie würdevoll ich die erste Ablehnung hinnehme. Sie blickt nicht auf.

Ich gehe hinaus und schließe die Tür.

Erst auf dem Flur begreife ich, dass ich zu schnell „Gut“ gesagt habe. Auch das kann eine Art sein, Großmut zu spielen, noch bevor sich das Gefühl einstellt. In mir leben gleichzeitig Kränkung, Neugier und Begeisterung darüber, dass die Bitte endlich wirksam ist. Nichts davon schafft es auf die Bühne.

Ich setze mich. Hinter der Tür fragt Ariadna Wera, ob sie bereit sei, die Verantwortung für eine Aufführung des Textes ohne meine endgültige künstlerische Zustimmung zu übernehmen. Wera sagt, sie sei bereit, die Verantwortung für das Verfahren, das Budget und Ariadnas Recht zu übernehmen, mein Eingreifen zu stoppen, werde aber ein schlechtes Stück nicht für gut erklären. Danach werden die Stimmen leiser.

In Ariadnas erstem freien Gespräch geht es nicht um mich. Das ist logisch und meiner Biografie gegenüber unhöflich.

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