Am nächsten Tag rührt Trofim die ausgebesserte Verbindung nicht an.
Er stellt zwei Lehrlinge davor. Der erste hastet und treibt den Holznagel im falschen Winkel hinein. Der zweite hört ein trockenes Knacken, hält seinen Kameraden auf und zieht den Nagel heraus, bevor sich das Holz spaltet. Sie beginnen von vorn. Trofim prüft die Fuge, überlässt ihnen den Dechsel und geht zum nächsten Rumpf.
Die Macht wächst um einen Punkt.
Für Peter ist es ungewohnt, eine Arbeit ohne ihn vorankommen zu sehen. Gestern konnte er noch glauben, das Schiff durch seine eigene Großmut gerettet zu haben. Heute haben die Lehrlinge die Verbindung ohne die Hand des Zaren und sogar ohne Trofims Hilfe ausgebessert.
Luka führt eine einheitliche Erfassung von Holz, Geld, Menschen und Fristen ein. Nun kann man nicht mehr denselben Stamm auf zwei Werften führen oder dasselbe Pferd drei Trossen versprechen. Nach einer Woche laufen die Lieferungen gleichmäßiger. Nach zwei Wochen wird klar, dass ein genaues Buch Verluste nicht nur aufspüren, sondern auch das Einziehen beschleunigen kann.
Die Schreiber wissen im Voraus, in welchem Bezirk noch Pferde stehen. Die Vorgesetzten sehen, welche Familie zwei erwachsene Männer hat, und holen einen davon, ohne zu fragen, wer im Frühjahr säen soll. Im alten Durcheinander konnte ein Mensch sich wenigstens manchmal verstecken. Die neue Ordnung findet ihn bei seinem Namen.
Luka bringt Peter eine Liste mit Beschwerden. „Wir haben verzeichnet, wen man mitgenommen hat und bis wann. Aber nicht, wem ein Mensch sagen kann, dass zu Hause ohne ihn niemand säen kann.“
Peter lässt die Beschwerden neben der Beschlagnahmung vermerken. Die Dienstpflicht hebt er nicht auf. Die Flotte braucht jetzt Holz, Eisen, Seile und Menschen, und das Recht auf Einspruch besteht vorerst nur so weit, wie es den Krieg nicht aufhält.
Die Schuld wächst nicht und sinkt nicht. Trofim erhält eine Dienstfrist und den versprochenen Lohn, doch seine Familie lebt weiterhin ohne ihn.
In denselben Monaten erscheint Alexander Menschikow auf der Werft. Einen nennenswerten Rang hat er noch nicht, aber er macht sich sofort nützlich. Menschikow findet verschwundene Wagen, handelt mit Kaufleuten und beschafft Seile an Orten, an denen die amtliche Korrespondenz noch den Preis klärt. Mit jeder Lösung entsteht eine persönliche Schuld: Gefallen für Gefallen, ein Geschenk für Schweigen, eine mündliche Ausnahme um der Frist willen.
Peter liebt diese Geschwindigkeit. Iwan Naryschkin liebt sie noch mehr, denn wo alles mündlich geregelt wird, zählt die Bürgschaft der Familie wieder mehr als der gemeinsame Eintrag.
Da erlaubt Peter Ausnahmen nur unter einer Bedingung: Bis zum Abend verzeichnet Luka den Urheber, den Preis und die Frist. Menschikow lächelt und erwidert, Papier könne keinen Wagen aus dem Schlamm ziehen.
„Dafür merkt es sich, wer ihn hineingestoßen hat“, sagt Luka.
Im Frühjahr laufen die Schiffe vom Stapel. Man prüft sie einzeln: den Rumpf unter Last, die Mannschaft beim Wenden, die Batterie beim Zielwechsel, den Tross auf dem letzten Wegstück. Peter nimmt an jeder Prüfung teil und leitet keine bis zum Ende. Greift er nach dem Ruder, muss der Steuermann eine Lotung verlangen. Drängt er beim Laden zur Eile, zeigt der Oberkanonier ihm die Qualität des Pulvers. Ändert er den Weg des Trosses, nennt Luka den Eintrag und die Unterschrift, die dadurch ungültig werden.
Der zweite Feldzug gegen Asow beginnt nicht mit Zuversicht, sondern mit Prüfungen. Auch Yusuf Agha ändert sein Vorgehen. Zuerst erscheinen leichte Schiffe mit einem roten Stofffetzen auf dem Fluss. Die russische Batterie richtet sich auf sie aus, doch der erste Konvoi führt weder Pulver noch Männer mit. Es ist ein Köder.
Die echten Schiffe folgen später durch einen anderen Flussarm. Peter steht bei der Batterie und sieht sie nicht. Das Signal gibt ein russischer Steuermann, dem man vorab erlaubt hat, die Sperre je nach Tiefe und Strömung zu verlegen. Der Trossführer hält den letzten Wagen zurück, damit er den eigenen Seeleuten nicht die Durchfahrt versperrt. Die Kanoniere versetzen zwei Geschütze ohne Befehl des Zaren.
Als Peter den roten Fetzen über dem zweiten Flussarm sieht, haben die russischen Schiffe den Konvoi bereits von der Festung abgeschnitten und zwingen ihn zur Umkehr. Eine Kaike läuft auf Grund, eine andere wird eingeklemmt. Die dritte bricht bis zu den Mauern durch, hat aber nicht genug Männer und Pulver an Bord, um die regelmäßige Versorgung wiederaufzunehmen.
Peter hat kein entscheidendes Manöver ausgeführt. Er hat nur rechtzeitig darauf verzichtet, die Entscheidungen anderer aufzuheben.
Die Belagerung dauert an. Die Batterien beschießen die Mauern, die Flotte sperrt den Fluss, der Tross trifft zur festgelegten Zeit ein. Als ein Lieferant versucht, ein Seil auszutauschen, beanstanden Trofims Lehrlinge es, ohne den Meister zu rufen. Als ein Offizier verlangt, ein überladenes Schiff für eine eindrucksvolle Meldung auslaufen zu lassen, legt der Steuermann ihm das Maß für den Tiefgang vor.
Die Festung verliert ihre Versorgung. Die Garnison stimmt der Kapitulation zu. Yusuf Agha zieht mit den anderen Verteidigern ab und darf gemäß den Bedingungen seine Waffen behalten. Als er an Peter vorbeigeht, schaut er nicht auf den Kaftan des Zaren, sondern auf die russischen Steuerleute.
„Im letzten Jahr hattet ihr ein Auge“, übersetzt der Dolmetscher seine Worte. „Jetzt habt ihr viele.“
Am Mast der übergebenen Kaike hängt noch der rote Stofffetzen. Peter nimmt ihn selbst ab und übergibt ihn Luka zusammen mit dem erbeuteten Schreiben. Der Gegner ist keine gesichtslose Barriere mehr, und der Sieg kein Beweis dafür, dass der Gegner dumm ist.
Vor versammelter Truppe überreicht Patrick Gordon Peter das Hauptmannsabzeichen. Nicht für den ersten Schuss und nicht dafür, dass der Herrscher näher an der Mauer gestanden hat als alle anderen. Im Befehl wird aufgezählt, was er zustande gebracht hat: Schiffe, Batterien und Tross haben gemeinsam eine Aufgabe erfüllt, ohne bei jeder Kleinigkeit auf einen Befehl des Zaren zu warten.
Die Macht wächst auf einmal um sieben Punkte. Die Lehrlinge auf der Werft haben Trofims Arbeit wiederholt, die Trosse sind nach einem gemeinsamen Zeitplan eingetroffen, und die Erfassung von Holz, Geld und Fristen hat an mehreren Orten zugleich funktioniert.
Auch das Vertrauen steigt: Trofim hat eine Gefahr benannt und ist nicht bestraft worden; die Mannschaften haben eine überprüfbare Ordnung angenommen; Flotte und Landversorgung haben sich einer gemeinsamen Prüfung unterworfen.
Die Schuld bleibt unverändert. Asow gibt den Familien weder den Winter ohne Ehemänner noch das Frühjahr ohne Pferde zurück. Der Sieg hat bewiesen, dass der Staat gelernt hat, seine Stärke immer wieder hervorzubringen. Er hat nicht bewiesen, dass der Staat gelernt hat zu bezahlen.
Beim Siegesfest nennt Iwan Naryschkin die Einnahme der Festung einen Sieg der Familie. Peter bittet Luka, die Namen der Meister, Steuerleute, Trossleute und Kanoniere vorzulesen. Die Liste ist länger als der Trinkspruch. Iwan hört sie bis zum Ende an, gibt aber den Gedanken nicht auf, diese Menschen hätten dank des persönlichen Schutzes der Vertrauten des Herrschers gehandelt.
Peter versteht: Der nächste Schritt lässt sich nicht auf der Werft von Woronesch tun. Soll die Flotte nicht zusammen mit der ersten Generation ihrer Meister verrotten, braucht das Land fremdes Wissen und russische Lehrlinge, die eines Tages den fremden Meistern widersprechen können.
Im folgenden Jahr reist Peter ins Ausland und betritt unter dem Namen Peter Michailow eine Schiffswerkstatt. Der große Russe gibt sich, als kenne er bereits die Antwort auf jede Frage. Der Meister reicht ihm ein Messinstrument, zeigt ihm eine neue Verbindung und bittet ihn zu erklären, wie sich die Belastung nach dem Stapellauf verändern wird.
Peter erklärt den Aufbau eines Schiffes, an das er sich aus seinem ersten Leben erinnert. Der Meister hört zu und weist auf einen Messfehler hin. Dann auf einen zweiten. Nach dem dritten nimmt er Peter das Instrument ab.
Der Name des Zaren bleibt vor der Tür. Auch die Erinnerung verschafft ihm keine Zulassung.
Peter bietet Geld für den Bauplan. Der Meister lehnt ab. Da bietet Peter einen Vertrag an: Der Mann soll nicht nur ihn, sondern auch russische Lehrlinge bis zu einer öffentlichen Prüfung ausbilden; die Bezahlung wird auf Anreise, Unterricht und bewiesene Wiederholung aufgeteilt. Den letzten Teil erhält der Meister erst, wenn ein Lehrling eine neue Aufgabe ohne seine Hilfe löst.
Der Ausländer liest die Bedingungen und ergänzt eine eigene Zeile: Er behält das Recht, Peter Michailow bei derselben Prüfung für noch nicht bereit zu erklären.
Peter unterschreibt.
Jenseits des Meeres kauft er nicht das Geheimnis des Schiffbaus, sondern das Recht eines Meisters, ihm zu sagen, dass er noch nicht bereit ist.
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