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DIE BRAUT DER LETZTEN QUELLE

Kapitel 18. Das Hammam ohne Feuer

Nura löscht den Ofen des Hammams mit so viel Lärm, dass die Wachen von selbst nachsehen kommen.

„Das Wasser ist kalt“, sagt sie in dem beinahe ausgekühlten Raum. „Kranke kann man nicht in der Kälte waschen. Wenn einer von Yusufs Männern den Müttern erklären will, warum die fiebernden Kinder auf dem Stein liegen, soll er hereinkommen und es ihnen ins Gesicht sagen.“

Niemand kommt herein.

Vor der Tür stehen zu viele Frauen: Dienerinnen, Badewärterinnen, alte Frauen, zwei Witwen aus Rafiqs Viertel und Fatima al-Harrasa in einer kostbaren schmucklosen Decke. Sie haben Stoff, Kupferschalen, Krüge mit schlechtem Wasser und Bündel mit Kräutern gebracht. Manche sind mit ihren Kindern gekommen, weil niemand auf sie aufpassen kann.

Nura gibt keine Befehle, sie verteilt nur die Arbeit. Eine Frau wechselt Verbände, eine andere zählt die Krüge, eine dritte beruhigt an der Tür einen weinenden Jungen.

Elias spricht mit den Wachen wie ein Arzt, der keine Zeit mehr hat, Angst zu haben.

„Wenn die Kranken hier sterben, zieht der Geruch zum Palast. Bringen wir sie hinunter, stecken sie wenigstens den oberen Hof nicht an.“

Die Wachen mögen Befehle, aber sie wollen nicht für den Geruch des Todes verantwortlich sein. Sie geben den Weg frei.

Fatima kommt ohne Schlüssel zur alten Kammer der Wassermeister: Ein Schlüssel würde Verdacht erregen. Bei ihr sind zwei Frauen und eine leere Trage. Die Wachen fürchten sich noch immer davor, vor aller Augen einer Hofdame zu widersprechen.

„Dort ist eine Frau mit Fieber“, sagt sie zu den Wachen. „Eine Frau aus einem geschlossenen Haus darf man nicht bei Kranken festhalten. Wenn sie hinter der Tür stirbt, zieht der Geruch direkt zum Bogen des Emirs.“

Elias zeigt ihnen einen Lappen mit dem säuerlichen Geruch der Kräuter, mit denen Bettlägerige vor dem Abtransport eingerieben werden. Die Wachen glauben, so rieche es bereits hinter der Tür.

Während sie über den Befehl streiten, findet Nura hinter den alten Schalen einen niedrigen Rauchgang. Suleicha kriecht auf den Knien hindurch, hinein in Staub und Dunkelheit, und dankt zum ersten Mal seit vielen Stunden den alten Meistern dafür, dass sie den Türen nicht getraut haben.

Fatima tritt als Erste vor. Die Wachen lassen die Hofdame durch, und in ihrem Gefolge kommen auch die Frauen vorbei, die man allein an der Tür aufgehalten hätte.

Suleicha wird als Dritte hinausgetragen.

Man versteckt sie unter Fatimas Decke, gibt ihr eine Schale und befiehlt ihr, sich wie eine Kranke zusammenzukrümmen. Fatima selbst hält den Rand des Stoffes.

„Wenn du uns verrätst“, flüstert sie, „sage ich, dass ich von nichts gewusst habe.“

„Wenn ich die Kinder verrate, sag es lauter.“

Fatima antwortet nicht. Doch ihre Finger auf der Decke zucken.

An der unteren Treppe hört Suleicha den Lärm am Tor.

Íñigo wird über den Innenhof zur nördlichen Straße geführt. Er trägt wieder Eisen, doch das verletzte Handgelenk ist frei geblieben: Yusuf will der Menge die Verbrennung nicht zeigen. Die Kette läuft von seinem Gürtel zur linken Hand. Die rechte bleibt sichtbar, damit alle sich erinnern: Mit ihr hat der Gefangene dem Feind ein Zeichen geschrieben.

Íñigo erkennt Fatimas Decke auf der Trage und bleibt stehen.

Die Wache stößt ihn.

„Weiter.“

Íñigo geht nicht weiter. Er lässt Fatimas Decke nicht aus den Augen.

Einer der Gesandten wartet bereits mit einem Pferd am Tor. Am Sattel hängt ein neues Seil. Sie wollen Íñigo nicht freilassen, sondern ihn unmittelbar nach dem Austausch wieder fesseln.

Suleicha hebt den Rand der Decke ein wenig an.

Ihre Blicke treffen sich.

Ihnen bleiben nur wenige Augenblicke, um ein paar Worte zu wechseln.

Íñigo sagt:

„Er hat den mittleren Pflock als Beweis mitgebracht.“

Die Wache reißt an der Kette.

„Schweig.“

Íñigo spricht weiter, jetzt lauter:

„Den Pflock, den ich versetzt habe. Mein Vater hat ihn mitgebracht, um meine Tat gegen mich zu wenden und die Stadt dazu zu bringen, ihm zu glauben statt mir.“

Fatima, die die Decke hält, flucht leise.

Íñigo tritt so nahe heran, wie die Kette es zulässt.

„Amina hat nicht nur an der Wiege gesungen“, sagt er.

Suleicha erstarrt.

Íñigo berührt die Narbe unter seinem linken Schlüsselbein – dieselbe, von der Amina geschrieben hat.

„Immer wenn meine Mutter im Lager gehört hat, dass mein Vater zum Wasser gegangen ist, hat sie eine andere Zeile gesungen. Ich dachte, sie wollte ihn damit bitten, mich nicht zu wecken.“

Die Wache hebt bereits die Hand.

Íñigo schafft es noch:

„Den einen Widerhalt brich nicht: Lass das Wasser durch kleine Münder.“

Der Schlag trifft ihn nach dem letzten Wort.

Íñigo krümmt sich, fällt aber nicht. Suleicha, Nura, Elias und Rafiq hören die vierte Zeile. Irgendwo weiter unten öffnet der Junge bereits den kleinen Abfluss.

Auch die Wachen und die Gesandten hören die Zeile, doch ohne Khalids Seil, die sieben Handbreit, drei Atemzüge und den einen Widerhalt klingt sie wie ein seltsames Wiegenlied. Nur Khalid, Suleicha, Nura und Íñigo kennen ihre ganze Bedeutung.

Die Wache will noch einmal zuschlagen, doch plötzlich lässt Fatima eine Kupferschale fallen. Sie rollt so laut klirrend über den Stein, dass alle den Kopf wenden.

„Die Kranke hat einen Krampf“, sagt Fatima scharf.

Die Lüge klingt nicht überzeugend, verschafft Íñigo aber genug Zeit, sich aufzurichten und Suleicha schwach anzulächeln.

Fatima lässt die Decke sinken. „Weißt du es jetzt?“, flüstert sie.

„Jetzt weiß ich, was zu tun ist.“

Nura führt die Trage nach unten. Durch das Hammam können die Frauen die Kranken hinaustragen, ohne den Palastwachen zu begegnen.

Íñigo versucht nicht zu fliehen.

Er geht zum Nordtor, weil er weiß, dass sein Vater nun vor Zeugen mit ihm sprechen muss.

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