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Kapitel 32. Hundertdreiundvierzig

Tamara kam Anfang Oktober, und ich erkannte sie nicht sofort.

Sie hatte zugenommen, und es stand ihr, und das Graue unter den Augen war weg. Die Schuhe, die sie brachte, waren neu, Winterschuhe, die im Rist geweitet werden mussten, und zu reparieren war an ihnen nichts.

„Ich hatte Ihnen versprochen, Bescheid zu sagen, wenn es hundertfünfzig sind“, sagte sie schon an der Tür.

„Und?“

„Und es werden keine. Ich habe bei hundertdreiundvierzig aufgehört.“

Sie setzte sich auf denselben Stuhl und begann zu erzählen, und sie erzählte etwa zwanzig Minuten.

Mit dem Zählen aufgehört hatte sie im Mai, weil hinter der Innenstadt Viertel kamen, in denen es entweder gar keine Bänke gibt oder gleich drei vor jedem Aufgang stehen, und darin lag kein Sinn mehr. Die Karte hatte sie fertig gemacht, in Farbe auf eigene Kosten gedruckt, ins Bezirksamt gebracht und war danach noch viermal hingegangen.

„Eine haben sie aufgestellt“, sagte Tamara.

„Eine?“

„Eine. In der Wolodarski-Straße, an der Steigung. Da, wo ich es gesagt habe, in der Mitte.“

Sie sagte es ruhig, ohne Kränkung und ohne Triumph, und ich verstand nicht, ob das für sie viel war oder wenig.

„Und die übrigen?“

„Und von den übrigen hieß es, sie sind im Plan fürs nächste Jahr. Das heißt: nie, aber ich gehe im Frühjahr sicherheitshalber noch mal hin.“

Sie hat nach wie vor zwei Arbeitsstellen, und die Mutter ist nach wie vor in der Straße des 8. März, und sie geht nach wie vor zu Fuß. Eines hat sich geändert: Sie hat angefangen zu schlafen.

„Ich habe im Februar begriffen, dass ich es nicht schaffe“, sagte sie, als sei das die gewöhnlichste Sache. „Nicht die Karte schaffe ich nicht, sondern überhaupt. Und habe mit den Nächten aufgehört. Gezählt habe ich dann sonntags, einen halben Tag.“

„Und die Mutter?“

„Und die Mutter auch sonntags.“ Tamara zuckte mit den Schultern. „So teilen wir das eben auf.“

Beim Gehen sagte sie, in der Wolodarski-Straße sitze jetzt morgens eine Frau mit Taschen, immer dieselbe, und sie, Tamara, sei schon zweimal vorbeigekommen und habe es gesehen.

„Ich weiß nämlich nicht, ob sie meinetwegen dort sitzt oder ob sie sich sowieso gesetzt hätte.“

Sie sagte es und lachte, und ich auch.

Die Schuhe weiteten wir bis Donnerstag.

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