Unter den Rufen seiner Freunde betritt Lenny den Sand. Sein Affe schlägt mit den Fäusten auf den Brustpanzer. Eine schwere Druckwelle rollt durch die Arena.
„Gib gleich auf“, sagt Lenny. „Ich habe Leon versprochen, dich nicht umzubringen.“
Er lügt nicht. Leon will sehen, was Styx kann. Dafür muss ich wenigstens ein paar Angriffe überleben.
Der Kampfrichter hebt die Hand.
Ich sehe zu Lily. Sie steht mit ihrem Lichtgeist an den unteren Rängen. Ein Wort von ihr würde reichen, und alle wüssten, wie viele Soldaten im Wald versteckt sind. Lily sagt nichts.
Die Hand des Kampfrichters fällt.
Der Affe springt. Der Sand unter seinen Füßen platzt auf, eine schwere Faust rast auf meine Brust zu.
Styx verschwindet.
Für die Zuschauer ist der Kampf im selben Moment vorbei. Der Affe stockt mitten im Schlag und sackt auf die Knie. Neben seinem Ohr bleibt ein roter Punkt zurück.
Styx kommt am Hinterkopf wieder heraus.
Sie fliegt durch den Gehörgang und spritzt ihr Gift in den Bereich, der die Bewegungen steuert. Die Bestie lebt, kann aber keinen Arm mehr heben.
Lenny spürt die Lähmung durch die Bindung. Sein Gesicht verändert sich. In der Gasse hat Brutus dasselbe gefühlt, einen Augenblick vor seinem Tod.
Ich hebe die Hand.
Styx hält an.
„Ich gebe auf“, stößt Lenny hervor.
Der Kampfrichter erklärt mich zum Sieger, doch auf den Rängen bleibt es noch ein paar Sekunden still. Alle warten auf einen zweiten Angriff, einen Lichtblitz oder eine versteckte Waffe. Sie können kaum glauben, dass ein Wesen der niedrigsten Art den Kampf beendet, bevor eine Kraftbestie überhaupt zuschlagen kann.
Lenny geht neben seinem Affen auf die Knie. Er sieht mich nicht an. Er versucht, die Finger der Bestie zu einer Bewegung zu zwingen, und bekommt zum ersten Mal keine Antwort auf einen Befehl.
Ich komme näher. Lenny schiebt sich vor den Affen, als würde er erwarten, dass Styx zurückkommt.
„Ich habe aufgegeben.“
„Hab ich gehört.“
„Dann nimm sie weg.“
Styx sitzt längst auf meiner Schulter, doch Lenny hat es nicht bemerkt. Sein Blick sucht immer noch den Kopf der Bestie nach einer Mücke ab.
Ich könnte einfach weitergehen. Stattdessen sage ich ihm, wo der Stachel eingedrungen ist und wie lange die Lähmung anhält. Lenny bedankt sich nicht. Er prüft die Atmung seines Affen und schaut erst dann zu mir hoch.
Nach einem einzigen Kampf ist die Verachtung nicht aus seinem Gesicht verschwunden. Nur eine Frage ist dazugekommen: Warum habe ich aufgehört, wenn ich ihm dasselbe hätte antun können wie Brutus?
Styx setzt sich wieder auf meine Schulter.
Leon kommt an den Rand der Arena herunter. Aus der Nähe sieht er jünger aus und viel ruhiger als seine Speichellecker.
„Interessante Fähigkeit“, sagt er. „Aber sie funktioniert nur, wenn sie an den Körper rankommt.“
Der Leerendrache öffnet die Augen. Die Luft um Styx wird dunkel, und für eine Sekunde ist unsere Bindung wie taub.
Sie drückt sich an meinen Hals.
Leon bemerkt es.
„In den Wildlanden reicht Schnelligkeit allein nicht.“
Er geht, ohne auf eine Antwort zu warten. Lenny bleibt im Sand zurück.
Der Sieg verändert, wie die anderen mich ansehen. Meine Stellung an der Akademie verändert er nicht. Bis zum Ende der Prüfung bleiben drei Tage. Hinter den Mauern der Stadt beginnen Gebiete, in denen kein Lehrer einen Kampf rechtzeitig stoppen kann.
Am Ausgang holt Lily mich ein.
„Ich habe versprochen zu schweigen“, sagt sie. „Aber wenn der Schwarm außer Kontrolle gerät, bringe ich die anderen raus.“
„Ist das eine Drohung?“
„Eine Bedingung.“
Nur weil ich sie gerettet habe, vergisst sie ihre Angst nicht und wird auch nicht plötzlich meine Verbündete. Genau deshalb glaube ich ihr diese Bedingung.
Am Kontrollpunkt prüft Sergeant Cole die Trupps. Sein Blick bleibt erst an meiner leeren Tasche hängen, dann an Styx.
„Vorräte?“, fragt Cole.
„Styx findet selbst etwas.“
Cole schaut zum Wald hinter dem Tor.
„Dann pass auf, dass dieses Etwas kein Mensch ist.“
Ich sehe wieder Brutus’ vertrocknete Hand auf dem Schuldenbuch.
Das Tor öffnet sich.
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