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REX WANG UND STYX

Kapitel 7. Der erste Schritt

Der erste Gildenkämpfer verlagert sein Gewicht auf das rechte Bein.

Die Festnahme hat noch nicht stattgefunden. Niemand hat mich angefasst. Der Kern der Titanenbestie ist bei Kanes Leibwächter, Styx sitzt an meiner Schulter.

Das reicht mir.

Der Kämpfer streckt die Hand aus. Auf seinem Handschuh leuchtet ein blaues Siegel auf, eine unsichtbare Welle läuft durch die Halle. Die Bestien der Jäger pressen sich auf den Boden. Bei manchen reißt die mentale Bindung ab, andere sinken neben ihren Begleitern auf die Knie.

Die Gilde ist darauf vorbereitet, Bestienbändiger im eigenen Gebäude zu unterdrücken.

Styx verschwindet.

Das Siegel geht ohne Widerstand durch ihren Geisterkörper. Der violette Funke erscheint schon hinter dem Kämpfer, und der Donnerstachel berührt seinen Hals. Ich stoppe das Gift, bevor es sein Herz erreicht. Der Mann bricht zusammen, atmet aber weiter.

Kane hebt die Hand. Vier Leibwächter bilden einen Halbkreis und versperren die Ausgänge. Metallpfosten mit roten Kristallen fahren aus dem Boden. Zwischen ihnen spannt sich ein zitterndes Netz.

Draußen spüre ich den Schwarm. Nach den Wildlanden ist der größte Teil hinter der Stadtmauer geblieben. Ein paar Hundert Soldaten habe ich jedoch in der Lüftung der Gilde versteckt, während der Gutachter die Beute sortiert hat. Jetzt versuchen sie in die Halle zu kommen und prallen gegen das Feld.

„Wehr dich nicht“, sagt Kane. „Die Unterdrückungssiegel sind für Bestien vom B-Rang ausgelegt. Einen zweiten Impuls hält deine Mücke nicht aus.“

Er spricht so ruhig, weil er Styx nicht töten will. Er will sie unversehrt.

Der Leibwächter mit dem Kern steht hinter den anderen. In der rechten Hand hält er den schwarzen Koffer, die linke liegt am Griff eines Kurzschwerts.

Ich sehe Styx an.

„Neue Fähigkeit. Marionettenparasit.“

Sie versteht, wen ich ausgewählt habe. Der violette Punkt wechselt in den Geisterflug und schießt durch den Rand des Schutznetzes. Der Leibwächter spürt einen Stich hinter dem Ohr, schlägt auf die Stelle und findet nichts.

In der nächsten Sekunde öffnen sich seine Finger von allein. Der Koffer mit dem Kern fällt herunter. Der Mann will sich danach bücken, doch sein Körper gehorcht ihm nicht mehr. Sein rechtes Bein macht einen Schritt nach vorn. Seine Hand hebt den Koffer auf und wirft ihn über die Köpfe der Kämpfer.

Ich fange den Kern.

Zusammen mit den Bewegungen des Leibwächters bricht eine fremde Erinnerung in mein Bewusstsein ein.

Kane hat auf mich gewartet. Schon vor meiner Ankunft in der Gilde steht am Hintereingang ein Käfig für die Königin. Ein Schreiber hat einen Beschlagnahmungsbefehl vorbereitet und nur den Namen des Besitzers offengelassen. Sie müssen bloß eintragen, wer den Donnerkern bringt.

Ich sehe ein Zimmer im ersten Stock. Kane sagt seinem Leibwächter, Leon habe den Träger eines verbotenen Schwarms gefunden. Er befiehlt, den Kern zu nehmen, Widerstand zu provozieren und den Jugendlichen mit dem Dämonenkult in Verbindung zu bringen. Nehme ich die hundert Credits an, lassen sie mich gehen und holen mich später. Lehne ich ab, haben sie einen legalen Grund für die Festnahme.

Nach der Erinnerung kommt die fremde Angst. Mit ihr kommt ein Name: Der Leibwächter heißt Arden.

Arden fühlt alles. Er sieht die Halle mit seinen eigenen Augen, hört jedes Geräusch und kann seine Hand trotzdem nicht stoppen. Seine Panik ist so stark, dass ich einen Moment lang nicht mehr weiß, wo Arden aufhört und ich anfange.

Styx kommt aus seinem Hals. Der Mann fällt hin und kriecht hektisch von mir weg.

„Der Befehl war also schon fertig“, sage ich.

Kane antwortet nicht. Er dreht nur ganz leicht das Handgelenk.

Die roten Kristalle leuchten ein zweites Mal auf.

Diesmal schafft Styx es nicht vollständig in den Geisterzustand. Das Feld trifft unsere Bindung. Mir wird schwarz vor Augen, und sie fällt auf den Tresen.

Der Kern in meiner Hand antwortet mit einem Blitz.

Das Glas auf dem Tresen platzt. Eine blaue Entladung springt auf den nächsten Pfosten, überlastet den Kristall und reißt das Netz auf einer Seite auf.

Hunderte Soldaten strömen aus der Lüftung.

Die Jäger in der Halle schreien. Manche rufen ihre Bestie, andere werfen sich an die Wände. Die Gildenkämpfer schützen ihre Gesichter und warten auf das Gift.

Ich könnte sie alle töten. Ein Befehl würde reichen: in Augen und Kehlen. Das System markiert die Menschen bereits als feindliche Ziele und verspricht Evolutionspunkte.

Aber Dutzende Leichen würden aus Kanes Lüge eine bequeme Wahrheit machen.

„Lähmen. Nicht fressen.“

Die Soldaten greifen ungeschützte Haut an und spritzen kleine Dosen Gift. Ein Kämpfer nach dem anderen fällt, alle bleiben bei Bewusstsein. Die Zuschauer rührt der Schwarm nicht an.

Der Gutachter, der vor einer Minute noch meinen Kern in den Händen hatte, sieht alles. Den vorbereiteten Käfig, die Siegel und wie ich mich gegen ein Massaker entscheide.

Kane weicht zur Treppe zurück. Hinter ihm zeigt sich zum ersten Mal der Umriss seiner eigenen Bestie: ein langer Körper unter weißen Platten, ein Schlangenkopf mit einem goldenen Reif um die Augen.

Ein Kettenbasilisk vom A-Rang.

Er greift nicht an. Kane kann keine Kraft freisetzen, die die halbe Gilde zerstören würde, solange überall Jäger und Zeugen stehen.

Ich hebe Styx vom Tresen. Sie breitet die Flügel wieder aus, doch einer bewegt sich langsamer als die anderen.

„Richte Leon etwas aus“, sage ich zu Kane. „Den Kern bekommt er nicht.“

Der Schwarm schlägt gegen die Fenster unter der Decke. Das Glas stürzt nach draußen. Zusammen mit dem dunklen Strom verschwinde ich durch die Öffnung.

Hinter mir befiehlt Kane, die Stadt abzuriegeln.

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