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REX WANG UND STYX

Kapitel 12. Die Leere

Über der Arena steigt eine Schutzkuppel auf. Genau tausend Mücken kommen in den Sand: fünfhundert normale Soldaten, dreihundert Sprengmilben und zweihundert schnelle Späher, die nach der zweiten Evolution entstanden sind.

Der restliche Schwarm bleibt außerhalb der Akademie. Rufe ich ihn, wertet das Siegel es als Regelbruch.

Leon löst die Leine des Leerendrachen. Die junge Bestie springt in die Arena und wächst noch im Flug. Ihre Flügel spannen zehn Meter weit. Der schwarze Dunst um die Schuppen wird dicht und verschluckt den Schatten der Bestie.

„Los.“

Ich schicke die Späher in einem weiten Ring aus. Sie greifen nicht an. Sie testen die Grenze des Leerenfelds.

Die ersten zwanzig verschwinden lautlos.

Die Bindung reißt nicht durch einen Tod ab. Sie hört einfach auf zu existieren, als hätte es diese Mücken nie gegeben. Der Drache verbrennt und vergiftet sie nicht. Der Raum um ihn herum verschluckt schon den Weg selbst.

Leon lacht.

„Du gewinnst sonst gegen Gegner, die ihre Ohren nicht schützen können. Der Leerendrache lässt keine Lücke offen.“

Die Bestie schlägt mit dem Flügel. Ein schwarzer Bogen fährt über den Sand und schneidet eine breite Schneise in den Schwarm. Die getroffenen Soldaten verschwinden zusammen mit dem Staub unter ihnen.

Styx geht in den Geisterflug und greift von oben an. Der Donnerstachel erreicht die Schuppen, leuchtet violett auf und erlischt. Die Leere nimmt die Entladung, das Gift und einen Teil des Schwungs. Styx wird gegen die Schutzkuppel geschleudert.

Leon lässt den Drachen das Maul öffnen.

Darin sind weder Zunge noch Rachen. Dort dreht sich ein dunkler Strudel. Er zieht zweihundert Mücken hinein, bevor ich die Bruten auseinanderbringen kann.

Im direkten Kampf verlieren wir.

Ich sehe auf die Metallstützen der Kuppel. Bei Prüfungen leiten sie überschüssige Energie unter die Arena. Die Leere kann eine einzelne Entladung löschen. Sie ändert nicht die Physik des gesamten Platzes.

„Sprengmilben an die Stützen. Soldaten dazwischen verteilen.“

Leon glaubt, ich will die Schutzkuppel zerstören.

„Drache, feg sie weg.“

Ein schwarzer Bogen fliegt zur nächsten Stütze, doch die Milben explodieren vorher. Die Säure löst die Schutzschicht und legt das Metall frei. Soldaten mit elektrisch geladenen Hinterleibern setzen sich auf die blanke Fläche und bilden dann eine Kette zur nächsten Stütze.

Styx gibt eine kurze Entladung ab.

Sie zielt nicht auf den Drachen. Die Elektrizität läuft durch den Ring der Arena und hebt Metallstaub aus dem Sand. Um das Leerenfeld erscheint eine dünne leuchtende Grenze.

Jetzt sehe ich, wo sich der Raum am stärksten verzerrt.

Der Drache springt. Ich öffne die Kette an einer Stelle und schließe sie an einer anderen. Der geerdete Blitz trifft nicht die Schuppen, sondern den Sand unter seinen Pfoten. Die Bestie verliert den Halt und rammt einen Flügel in den Boden.

Die Soldaten umringen das Gelenk, ohne ins Leerenfeld zu fliegen. Statt anzugreifen, treiben sie mit den Flügeln Säurestaub in die beschädigte Flughaut.

Leon lächelt nicht mehr.

„Steh auf!“

Der goldene Reif leuchtet. Der Drache brüllt vor Schmerz. Er gehorcht, obwohl der verletzte Flügel sein Gewicht nicht trägt.

Ich spüre, dass Styx alle übrigen Bruten in das offene Gelenk werfen will. Wenn fünfhundert Mücken gleichzeitig unter die Schuppen kommen, beenden wir den Kampf.

Der Preis ist klar. Das Leerenfeld wird sich schließen. Keine kehrt zurück.

Ich beginne den Befehl zu formen.

Styx sagt:

„Nein.“

Diesmal ist das Wort deutlicher.

„Wir bekommen kein zweites Fenster.“

Von ihr kommt ein Bild: keine Soldaten im Drachen, sondern die gesamte Arena als Netz. Stützen, Sand, Kuppel und Metalldrähte unter dem Boden.

Sie will nicht den Schwarm opfern. Sie will das Schlachtfeld selbst verändern.

Ich sage den Angriff ab.

„Späher, Staub hochziehen. Soldaten, Ring halten. Styx, führ sie.“

Jetzt bekommen nur die nächsten hundert Mücken präzise Befehle. Die anderen folgen der Königin. Ich zwinge nicht mehr tausend Körper in dieselbe Bewegung, sondern teile die Arena in Aufgaben.

Der Drache öffnet wieder das Leerenmaul. Der Schwarm weicht nicht als eine Masse zurück. Der Ring öffnet sich, lässt den Strudel durch seine leere Mitte und schließt sich hinter dem Kopf der Bestie.

Styx schlägt in das Metallnetz.

Die ganze Arena leuchtet auf.

Für einen Moment wird das Leerenfeld sichtbar. Es ist keine Kugel, sondern besteht aus vielen dunklen Falten. Dazwischen liegen schmale Streifen normaler Raum.

Genau dort fliegen die Soldaten hinein.

Sie dringen nicht in den Körper ein. Einige setzen sich auf die Schuppenränder und reichen die Ladung weiter. Andere vergrößern mit Säure den Schaden am Flügel. Wieder andere halten den Drachen in einem Ring und zwingen ihn, die Leere gleichzeitig in Dutzende Richtungen zu schicken.

Leons Befehle werden immer schärfer. Der Reif wird heiß. Der Drache gehorcht langsamer. Jedes Mal zuckt er nicht wegen unserer Angriffe, sondern wegen des Schmerzes in der eigenen Bindung.

Kane hat keinen Verstärker in das Siegel eingebaut.

Es ist eine Peitsche.

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