ОттискOriginalromane
REX WANG UND STYX

Kapitel 13. Die Bestie des Erben

Der Leerendrache sinkt auf die Vorderpfoten.

Das leuchtende Netz hält sein Feld offen. Säure frisst an der Flughaut, und Leon kann nicht mehr alle Richtungen gleichzeitig schließen. Noch ein paar Minuten, dann kann die Bestie nicht mehr kämpfen.

„Gib auf“, sage ich.

„Ich stehe noch.“

„Dein Drache nicht.“

Leon sieht seinen Begleiter an. Diesmal bleibt sein Blick weder an dem seltenen Rang noch an der Familientrophäe hängen. Vor ihm ringt ein junges Wesen nach Luft. Es gehorcht nur, weil der Reif ihm Schmerzen zufügt.

Leons Hand geht zum Verschluss.

In der Loge berührt Kane seinen Siegelring.

Das goldene Siegel am Hals des Drachen schließt sich.

Die Bestie schreit. Kein Brüllen, sondern ein hoher, brechender Laut, bei dem die Menschen in den ersten Reihen die Ohren zuhalten. Der schwarze Dunst zieht unter die Schuppen. Der Körper beginnt zu wachsen, bricht die eigenen Knochen und setzt sie sofort neu zusammen.

Das Wahrheitssiegel leuchtet rot und registriert den äußeren Befehl. Trotzdem schaltet sich die Schutzkuppel nicht ab. Kane hat sie vorher mit dem Reif verbunden. Jetzt hält die Arena keinen Kampf fest, sondern einen erzwungenen Aufstieg.

„Vater, was hast du getan?“, schreit Leon.

Kane antwortet nicht.

Der Drache wird fast doppelt so groß. Der Raum um ihn stürzt in sich zusammen. Der Rand der Arena verschwindet, mit ihm ein Teil der Schutzstützen. Ein schwarzer Riss läuft die Kuppel hinauf.

Leon steht am nächsten. Die Familienbindung zieht ihn zur Bestie. An seinem Hals wird die Haut schwarz, in demselben Muster wie auf dem Reif.

Kane verstärkt den Drachen durch das Nervensystem seines Sohnes.

Für mich gibt es noch einen Weg hinaus. Styx könnte im Geisterflug durch die Kuppel dringen, den äußeren Knoten zerstören und einen schmalen Spalt öffnen. Ich würde vor dem vollständigen Einsturz entkommen.

Leon nicht.

Er versucht, dem Drachen den Reif vom Hals zu reißen. Die Bestie erkennt ihren Herrn nicht mehr. Eine Klauenpfote hebt sich über ihn.

„Styx, holen wir ihn da raus?“

Ich frage. Ich befehle nicht.

Die Antwort kommt sofort.

„Ja.“

Hundert Soldaten treffen Leon von der Seite und stoßen ihn aus der Bahn der Krallen. Andere bedecken seine Kleidung, packen die Gurte und ziehen ihn über den Sand. Die Drachenpfote zerschlägt die Stelle, an der er eine Sekunde vorher gelegen hat.

„Fass mich nicht an!“, keucht Leon.

„Dann kriech selbst.“

Mit einer Hornplatte schneide ich die heiße Kette durch. Mit einer Hornplatte schneide ich die heiße Kette durch. Leon rollt von der Bestie weg und greift sich an den schwarzen Hals.

Die Tribünen werden inzwischen zur Falle. Nach dem Bruch der Stützen klemmen die Nottore. An den Ausgängen drücken Menschen gegeneinander. Die Lehrer halten die Kuppel und können nicht gleichzeitig die Evakuierung leiten.

Lenny steht mit seinem Affen am unteren Tor. Die Bestie hat sich von unserem Kampf noch nicht ganz erholt, doch er befiehlt ihr, die Schulter gegen die Torflügel zu stemmen.

„Halt das! Bis alle draußen sind!“

Der Zerstöreraffe brüllt und hebt das Metallgitter an. Die jüngeren Schüler kriechen darunter hindurch.

Lenny sieht mich in der Arena. Die Angst vor Styx ist noch in seinem Gesicht, aber er lässt das Tor nicht los.

Der Drache holt Luft. Der Leerenstrudel öffnet sich nicht mehr nur im Maul. Er entsteht zwischen den Hörnern und zieht Sand, Trümmer und Menschen aus der ersten Reihe an.

„Alle Bruten an die Stützen. Notschlösser mit Säure öffnen. Den Drachen nicht angreifen.“

Wir geben den Sieg im Duell auf und kümmern uns um die Ausgänge.

Sprengmilben sterben an den Schlössern. Die Soldaten bilden dunkle Pfeile im Rauch und zeigen freie Wege. Styx fliegt von einer Gruppe zur nächsten und zerstört klemmende Mechanismen mit kurzen Entladungen.

Kane steht in der Loge auf.

„Sehen Sie, wie der Schwarm außer Kontrolle gerät? Rex hat diesen Riss verursacht!“

Der weiße Kristall zeichnet weiter auf. Darin bleibt die Spur seines Siegelrings gespeichert, doch im Chaos können die Zuschauer die Details nicht erkennen.

Der Drache holt wieder aus. Diesmal zielt er auf den unteren Sektor, wo Lenny das Tor hält.

Ich schließe die übrigen Soldaten zu einem breiten leitenden Netz zusammen. Styx fliegt in die Mitte und gibt ihre gesamte gespeicherte Ladung ab.

Der Blitz durchdringt das Leerenfeld nicht. Er trifft die zerstörten Stützen, läuft unter der Arena entlang und hebt eine Metallplatte zwischen Drache und Tribüne. Die Klaue schlägt hinein. Die Platte verbiegt sich, Lennys Affe sinkt auf ein Knie, doch das Tor bleibt offen.

Das letzte Kind rutscht hinaus.

Die Kuppel bricht.

Der Drache hebt den Kopf zum echten Himmel. Einen Moment lang ist hinter der Leere in seinen Augen Schmerz zu sehen.

Leon sieht ihn auch.

„Stopp das Siegel“, sage ich. „Er hört dich noch.“

„Vater hat die Bindung gesperrt. Ich kann keinen Befehl geben.“

„Dann befiehl nichts.“

Leon zieht langsam den Familienring ab. Die Haut darunter ist verbrannt. Er legt die Hand auf den Sand und schickt durch die Bindung keine Forderung, sondern seine eigene Angst.

Der Drache hält still.

Das reicht Styx. Sie erreicht den goldenen Reif und durchtrennt mit dem Donnerstachel eine der Linien.

Der Leerenstrudel zittert.

Im Reader öffnen