Ich komme im Keller einer Färberei zu mir.
Zuerst versuche ich, das Systemfenster zu öffnen. Vor meinen Augen erscheint nichts. Dann greife ich nach der Bindung und finde wieder nur Leere.
Styx ist weg.
Cole schläft auf einem Stuhl neben mir. Seine Uniform ist nach der Station verbrannt, der linke Arm verbunden. Lily sitzt am Ofen und kopiert den geretteten Teil des Archivs auf mehrere Datenträger. Mira untersucht den Zustimmungsschlüssel.
Sie haben die Slums vor den Patrouillen der Gilde erreicht. Die Bewohner des Färberviertels verstecken uns in einem alten Heizraum, in dem früher verbotene Farbstoffe gelagert worden sind. Ein Kohlehaufen verdeckt den Eingang. Die Lüftung führt in ein Netz stillgelegter Rohre.
Ich stehe auf.
„Wo ist der Turm der Familie Li?“
Cole öffnet die Augen.
„Setz dich.“
„Kane hat Styx mitgenommen.“
„Und du schaffst keine drei Schritte ohne Wand.“
Ich gehe trotzdem zur Tür. Alles schwankt vor meinen Augen. Cole hält mich nicht fest. Er stellt sich einfach zwischen mich und den Ausgang.
Früher hätte ich dem Schwarm befohlen, das Hindernis wegzuräumen. Jetzt muss ich reden.
„Geh zur Seite.“
„Nein.“
Das Wort trifft härter, weil es mich an Styx erinnert.
Lily legt eine Karte auf den Tisch. Der Li-Turm, die Laborebenen und die Routen der Wachen sind schon markiert.
„Während du geschlafen hast, haben wir gearbeitet.“
„Woher kommt der Plan?“
Aus einer dunklen Ecke antwortet Leon:
„Von mir.“
Er sitzt unter einem Umhang auf einer Kiste. Um die frischen Verbrennungen am Hals liegt ein Verband. Der Leerendrache ist nicht bei ihm.
Ich gehe auf ihn zu.
„Dein Vater hat Styx.“
„Und meine Bestie steckt im selben Reif. Glaubst du, nur du musst jemanden zurückholen?“
Leon hat einen internen Plan des Familienturms und einen alten Zugangsring mitgebracht. Nachdem Leon in der Arena ausgesagt hat, hat Kane seinen Sohn vorläufig für handlungsunfähig erklärt und den Leerendrachen im unteren Labor eingesperrt. Am Morgen sollte Leon dorthin gebracht werden, um den äußeren Steuerkreis wiederherzustellen.
Er ist durch einen Wartungstunnel entkommen, den er früher für heimliche Ausflüge benutzt hat.
„Ich helfe nicht dir“, sagt Leon. „Ich hole meinen Drachen und verschwinde.“
„Warum zeigt deine Karte dann das Labor der Königinnen?“
Er antwortet nicht.
Draußen ertönt die Kupferpfeife. Das Mädchen aus dem brennenden Haus gibt das vereinbarte Signal. Eine Gildenpatrouille kommt in den Hof.
Im Keller fragt mich keiner, was zu tun ist.
Die Färber kippen Karren um und sperren die Straße. Frauen bringen die Kinder durch die Wäschereien hinaus. Alte Männer öffnen die Ofenschieber, bis dichter blauer Rauch über die Dächer zieht. Das Mädchen pfeift aus verschiedenen Gassen und lockt die Patrouille weg.
Die Menschen handeln, weil sie ihr Viertel kennen und einander schützen wollen. Sie haben keine Königin, kein System und keinen Steuerkreis.
Ich sehe auf die Karte. Um mich herum haben die anderen längst alles verteilt.
„Gut“, sage ich. „Wir nehmen nicht den Haupteingang.“
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