Das Haus verschwindet. Jetzt wendet sich die Verbindung Styx zu.
Das Sehen fällt aus. Übrig bleiben Hitze, Gerüche und bewegte Luft.
Unter uns liegt ein Nest so groß wie eine Stadt. Millionen Larven liegen in warmem Blut und müssen nie hungern. Hinter den äußeren Wänden gibt es keine Menschen, keine Käfige und kein Feuer. Jeder Kapitän ist an seinem Platz und antwortet Styx, bevor sie überhaupt rufen kann.
Ihr Körper wächst mit dem Nest.
Aus sechs Flügeln werden Hunderte. Ihr Panzer bedeckt den Himmel. Jede Bestie in den Wildlanden riecht sie und geht ihr aus dem Weg.
Die Krone lockt Styx nicht mit menschlicher Macht, sondern mit der Sicherheit ihrer Nachkommen.
Nach Kanes Käfig, den hungrigen Bruten und den Tausenden Toten im Blitz der Echse bietet ihr die Krone eine Welt, in der nie wieder eine Larve wegen der Entscheidung eines anderen stirbt. Dafür muss Styx jede Bewegung des Schwarms in sich festhalten.
Die Kapitäne verteilen das Futter exakt nach Plan. Die Soldaten fliegen auf geraden Routen. Niemand macht Fehler. Niemand weigert sich.
Ein alter Kapitän verletzt sich am Flügel. Er versucht, an der Nestwand zu landen, doch der gemeinsame Rhythmus zwingt ihn weiterzufliegen. Sein Körper steigt immer wieder auf, bis der Flügel abreißt.
Styx spürt seinen Schmerz.
Sie versucht, einen einzigen Faden freizugeben.
Mit ihm geraten Tausende andere ins Wanken. Die Krone zeigt hungernde Gelege, eine durchbrochene Wand und Menschen mit Feuer. Sobald ein einziger Kapitän anhalten darf, beginnt die sichere Welt zu zerfallen.
„So lebt ein Schwarm“, sagt Kanes Stimme. „Ein Wille. Ein Körper. Kein Verrat.“
Styx berührt den Kapitän. Durch sie spüre ich seinen letzten Wunsch. Keine Freiheit, keine Rache. Nur eine warme Fläche, auf der er seine Flügel zusammenlegen kann.
Sie hält den gemeinsamen Rhythmus an.
Das Nest bebt. Mehrere Bruten stoßen in der Luft zusammen, ein Teil des Futters läuft aus, die Larven schreien vor Hunger.
Styx setzt den Befehl nicht wieder ein.
Der Kapitän legt sich an die Wand.
Auch die anderen Wesen ändern ihre Bewegungen. Manche arbeiten weiter. Manche kommen zu dem Verletzten. Ein paar Soldaten verlassen das Nest.
Die Krone lässt Styx’ Körper schrumpfen. Dunkelrote Rüstung rieselt von ihren Flügeln. Mit der Macht über Millionen verschwindet auch ihre Sicherheit.
„Meine“, sagt sie.
Das Wort kommt durch den Geruch des Nests und die Erinnerung an jedes Gelege.
Styx sieht die Kapitäne an.
„Nicht ich.“
Sie bleibt ihre Königin. Aber sie hält den Schwarm nicht mehr für eine Verlängerung ihres eigenen Körpers.
Das Nest zerfällt in einzelne Kreise. Manche bleiben in ihrer Nähe, andere verschwinden in der Dunkelheit. Styx weiß nicht, ob sie zurückkommen.
Ich spüre ihre Angst.
Bisher habe vor allem ich in unserer Verbindung Freiheit verloren. Befehle sind schwächer geworden, der Schwarm hat schlechter gehorcht, der Sieg ist weiter weggerückt. Jetzt verliert Styx das, wofür ihre Spezies überhaupt überlebt.
Trotzdem lässt sie die Kapitäne ziehen.
Die Krone findet keine andere Belohnung, die sie ihr anbieten kann.
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