Das Mädchen ist vielleicht acht. Es liegt auf einem schmalen Bett. Unter der Haut seiner Brust zittert blaues Licht.
Daneben hat sich eine Heilbestie zusammengerollt, die wie ein Fuchs aus durchsichtigem Glas aussieht. Ihr Körper ist fast farblos. Mit jedem Atemzug des Mädchens verliert sie noch ein wenig Licht.
Der Vater hält das Tier am Nacken fest und wiederholt seinen Befehl.
„Weitermachen. Mach weiter, hörst du?“
Der Fuchs versucht wegzukriechen. Der Mann zieht ihn immer wieder ans Bett.
Mira schlägt seine Hand weg.
„Loslassen.“
„Sie stirbt!“
„Wenn du nicht loslässt, sterben beide.“
Er glaubt ihr nicht. Im alten Bindungssiegel steckt noch immer der Befehl, den der Vater sieben Jahre lang benutzt hat. Nur verstärkt ihn die Krone nicht mehr. Der Fuchs zittert vor Schmerzen und gibt aus Gewohnheit weiter Energie ab.
Ich könnte Styx bitten, in die Bestie einzudringen und ihre Muskeln zur Bewegung zu zwingen. Das System blendet sogar die vertraute Parasitenoption ein.
Arden taucht wieder in meiner Erinnerung auf. Finger, die sich gegen seinen Willen öffnen.
Ich schließe das Fenster.
Mira nimmt das alte Halsband ab. Sofort wird das Licht in der Brust des Mädchens schwächer. Der Vater stürzt auf den Fuchs zu, aber Lenny hält ihn fest.
„Drei Minuten“, sagt Mira. „Dann bleibt das Herz stehen.“
Im Raum sind vier Lichtgeister aus der Akademie. Bisher sind sie nur für kleine Wunden und Übungen eingesetzt worden. Keiner kann die Heilbestie allein ersetzen.
Lily fragt die Besitzer, ob die Geister bereit sind, in den Kreis einzutreten.
Die Schüler fangen an, Befehle zu geben.
„Nicht ihr“, fährt Mira dazwischen. „Sie sollen selbst kommen.“
Der erste Geist versteckt sich hinter der Schulter einer Schülerin. Der zweite schwebt zum Bett, berührt das blaue Licht und weicht zurück. Der dritte bleibt an der Hand des Mädchens. Der vierte setzt sich neben den erschöpften Fuchs.
Die Energie reicht trotzdem nicht.
Der Vater sinkt auf die Knie.
„Nehmen Sie meine.“
Er ist kein Heiler. Aber der Vertrag erlaubt ihm, über die alte Verbindung einen Teil seiner Lebenskraft zu übertragen.
„Wenn der Fuchs zustimmt“, sagt Mira.
Der Mann hält ihm die offene Hand hin und versucht nicht, nach ihm zu greifen.
Die Sekunden laufen. Das Licht unter der Haut des Mädchens zittert immer langsamer.
Der Fuchs hebt den Kopf. Schnuppert an der Hand seines Besitzers und dreht sich weg.
Der Vater schließt die Augen. Ich erwarte, dass er wieder nach dem Halsband greift.
Stattdessen legt er seine Hand auf die Bettkante.
„Dann nehmen Sie mich direkt.“
Mira verbindet ihn mit drei Lichtgeistern. Der Kreis ist schwach und instabil. Der Mann schreit, als das Herz seiner Tochter mehr Energie ziehen will, als sein Körper verkraftet.
Der Fuchs sieht zu.
Nach dem zweiten Herzschlag kommt er von selbst zum Bett. Er legt sich nicht unter das Siegel und stellt die alte Verbindung nicht wieder her. Er berührt die Hand des Mädchens mit der Nase und gibt einen kurzen Impuls dazu.
Der Puls wird gleichmäßig.
Mira trennt den Kreis sofort. Der Vater bricht zusammen, bleibt aber bei Bewusstsein. Der Fuchs zieht sich an die Wand zurück und schläft zum ersten Mal seit Jahren ein.
Niemand im Zimmer jubelt. Das Mädchen braucht weiter Behandlung. Freiwillige Hilfe verlangt jetzt drei Geister, zwei Menschen und ständige Schichten statt einer einzigen gequälten Bestie.
Lily sendet keine Rede in die Stadt, sondern eine Liste: Wie viel Energie wird gebraucht? Wo fehlen Freiwillige? Welche Kliniken verlieren ihre gewohnte Unterstützung?
Wenige Minuten später antworten die Viertel. Die Akademie schickt Lichtgeister, die Färber bringen Handgeneratoren. Das reiche Viertel öffnet seinen privaten Vorrat an Heilkristallen erst, als die Menschen vor den Toren drohen, das Lager aufzubrechen.
Die Stadt ist nicht freundlicher geworden. Sie kann den Preis der Behandlung nur nicht mehr in einer schweigenden Bestie verstecken.
An der Mauer schlägt die Alarmglocke.
Cole sieht auf die Karte der Wildlande. Blaue Markierungen ziehen in einem dichten Streifen zum Nordtor.
„Eine Herde“, sagt er. „Vierzig Minuten.“
Auf jeder Markierung leuchtet eine weiße Linie.
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