Wir richten uns in einer Werkstatt ein, in der das Wasser bis zur halben Wand gestiegen ist.
Rem legt sein Siegel auf den nassen Tisch. Daneben trocknet Taya den Plan der Kanäle über einem Kohlebecken. Lily hört über einen Kommunikationskristall zu, aber das Bild zerfällt ständig. In der Akademie reicht die Energie nicht einmal für die Lampen im Krankenflügel.
„In der Gilde hast du dich nur Gutachter genannt“, sage ich.
„Das war bequemer.“
„Für wen?“
Rem fährt mit dem Daumen über den Rand des Siegels.
„Für mich.“
Nach der Jagd auf die Titanenechse hat er als Erster den Kern untersucht. Im ursprünglichen Protokoll sind mein Name, die Zeit des Kampfes und Styx’ Energiespur vermerkt. Kane hat ihm befohlen, Leon als Besitzer der Beute einzutragen und mich für meine Beteiligung auszuzahlen.
„Ich habe das Protokoll umgeschrieben“, sagt Rem. „Dann habe ich den Käfig für die Königin gesehen. Er war schon einen Tag vor eurer Rückkehr fertig.“
Leon hebt den Blick.
„Du hast gewusst, dass mein Vater die Bestie nimmt?“
„Ich habe gewusst, dass er sich auf die Beschlagnahmung unbekannten Eigentums vorbereitet. Ich habe mich nicht getraut zu fragen, ob es lebt.“
Rem erzählt nichts von einer Familie, die Kane hätte bestrafen können. Er beruft sich nicht auf Angst und wartet nicht darauf, dass wir sein Geständnis mutig nennen. Er zählt nur die Dokumente auf, unter denen seine Unterschrift steht.
Es sind mehr als dreihundert.
Für Schulden hat man den Leuten Eier und Jungtiere weggenommen. Bestien, die sich einem Siegel widersetzen konnten, sind für gefährlich erklärt und im unteren Archiv versteckt worden. Einige sind als Versuchstiere für die Krone benutzt worden. Die anderen sind bis zum Weiterverkauf in Stasis geblieben.
„Warum haben sie das Archiv nicht früher vernichtet?“, fragt Lily.
„Eine lebende Bestie bewahrt die Spur ihres alten Vertrags. Für die Familie Li ist das ein Eigentumsnachweis. Eine tote Bestie ist nur noch ein Verlust.“
Kane verliert seinen Anspruch auf die Stadt und macht aus seinem Eigentum Zeugen. Deshalb brennt unter dem Turm bereits das weiße Feuer.
Bis zur vollständigen Säuberung bleibt weniger als eine Stunde.
Rem zeichnet den Weg vom alten Güterbahnhof zum Archiv der Gilde. Es gibt vier Eingänge. Den Haupteingang hält die Wache. Die Familientür öffnet sich für einen Erben der Li. Die Dienstschleuse erkennt das Siegel eines Gutachters. Der vierte Gang führt zu den Öfen und fehlt auf den neuen Karten.
„Kane weiß, dass du diese Türen kennst“, sagt Cole.
„Er weiß, dass ich mich nicht traue, sie zu benutzen.“
Leon lacht leise.
„Heute ist kein guter Tag für die Berechnungen meines Vaters.“
Diesmal steht Styx nicht im Zentrum des Plans. Sie kann nur zwei Späher durch die Lüftung schicken. Lenny kennt die Tunnel der Akademie, Taya die Kreuzung des alten Abflusses mit der Güterstrecke, die Arbeiter bringen Werkzeug. Cole nennt uns die Wachwechsel, Leon warnt vor Familienfallen, Rem ist für die Siegel zuständig.
Lily will mitkommen.
„Wer nimmt den Datenstrom aus dem Archiv an?“, fragt Rem.
„Die Übertragung der Akademie ist fast tot.“
„Aber sie atmet noch“, sage ich. „Wenn Kane uns drinnen auslöscht, bleibt nur seine Version übrig.“
Lily presst die Lippen zusammen.
„Du lässt mich schon wieder vor der Tür stehen.“
„Ich lasse dir die eine Sache, die keiner von uns kann.“
„Klingt hübsch.“
„Und macht dich trotzdem wütend.“
„Ja.“
Sie schweigt kurz und ruft dann den Übertragungsplan auf dem Kristall auf. Sie verzeiht mir die Entscheidung nicht. Sie hält uns aber auch nicht auf.
Rem hält mir sein Siegel hin.
„Nimm es. Wenn ich Angst bekomme, öffnest du die Schleuse selbst.“
„Es ist an deine Hand gebunden.“
„Weiß ich.“
Er steckt das Siegel wieder ein.
Am Güterbahnhof warten Menschen in Uniform auf uns.
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