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REX WANG UND STYX

Kapitel 60. Der Turm sucht den Anführer

Kane sperrt den Haupteingang und schickt den Kettenbasilisken hin.

Er trifft niemanden.

Während die weiße Bestie den leeren Hof zertrümmert, öffnen die Färber im Keller die Kühlrohre. Kane schickt Feuerhunde nach unten. Die Schüler nutzen die freie Treppe und steigen zu den Käfigen hinauf. Die fliegenden Bestien verlassen hinter der ersten Brut das Dach. Die zweite kriecht auf der anderen Seite durch die Lüftung.

Der Turm sucht den Hauptangriff und kommt jedes Mal zu spät.

Leon und ich erreichen eine Wartungsgalerie. In den Wänden pulsieren weiße Adern. Ein Kapitän dringt in den nächsten Spalt ein. Seine Mücken beißen die dünnen Stege zwischen den Siegeln durch.

„Wenn wir diese Leitung kappen, öffnet sich der Familiensaal“, sagt Leon.

„Woher weißt du das?“

„Ich musste den Plan auswendig zeichnen.“

„Wozu?“

„Mein Vater war der Meinung, ein Erbe müsse den Turm nach einem Aufstand wieder aufbauen können.“

Das Wort klingt ganz ruhig. Nur der Drache neben ihm senkt den Kopf. Er erinnert sich ebenfalls an diese Lektionen.

Der Kommunikationskristall erwacht.

„Das Archiv hält. Rem will keine Hilfe“, sagt Lily. „Die Nordgruppe hat ihre Treppe verloren. Cole führt die Leute über das äußere Gesims.“

Hinter ihrer Stimme knackt es.

Kane hat den Sender der Akademie gefunden.

„Lily?“

„Macht weiter. Ich verlege den Kanal.“

Die Verbindung bricht ab.

Leon sieht mich an und wartet auf eine Entscheidung.

„Sie hat gesagt, wir sollen weitermachen.“

„Das war eine Mitteilung. Kein Befehl.“

Er nickt knapp und geht zum Familiensaal. Ich bleibe an der Ader, während der Kapitän seine Arbeit beendet.

Das weiße Feuer kommt ohne Warnung. Es füllt die Lüftung und verschlingt die Brut. Die Mücken stürzen zurück, doch der Kapitän hält die Ader weiter offen. Durch unsere Verbindung spüre ich nicht den gemeinsamen Schmerz des Schwarms, sondern seine eigene Erinnerung: die Kupferpfeife über der Färberei, den Geruch von nassem Stoff, Tayas Hand, die einmal eine Mücke von ihrer Schulter genommen und freigelassen hat, statt sie zu erschlagen.

Ich rufe den Kapitän.

Unsere Verbindung überträgt meine Anwesenheit, aber keinen Befehl.

Er könnte gehen.

Der Kapitän bleibt noch einige Herzschläge. Die Familientür öffnet sich. Die letzten Mücken schaffen es aus der Lüftung. Dann erlischt der rote Funke in ihm.

Das System bietet mir an, die Brut mit den Bestien des Turms wiederherzustellen.

Ich schließe das Fenster.

„Wir könnten die Zahl zurückholen“, sagt Styx.

„Aber nicht ihn.“

Sie bewahrt die Pfeife in ihrer Erinnerung und lässt die Verbindung los.

Im Familiensaal warten Schüler auf uns, die auf einem anderen Weg gekommen sind. In den oberen Stockwerken haben sie nur einen Teil der Käfige öffnen können. Manche Bestien weigern sich zu gehen, zwei haben ihre Retter angegriffen. Ein Junge presst eine Hand auf seine aufgerissene Schulter, während sein Affe versucht, den verletzten Menschen zur Treppe zu ziehen.

„Kane hat den Ausgang geschlossen“, sagt der Schüler. „Lily antwortet nicht mehr.“

Cole erscheint mit drei Kämpfern auf dem äußeren Balkon. Von den zwanzig Menschen, die er hergeführt hat, kommen vier an. Die anderen sind zurückgeblieben, um den befreiten Bestien die Türen offenzuhalten.

Niemand weiß, was in der nächsten Gruppe passiert.

Wir müssen vor Ort entscheiden.

Cole führt die Schüler zum Archivaufzug. Leon und ich gehen weiter zum Herzen des Turms. Der Leerendrache läuft zwischen uns und stützt sich schwer auf seinen gesunden Flügel.

Hinter uns schließen sich die Türen des Familiensaals.

In der Mitte des Raums steht ein zweiter Leon.

Er trägt die weiße Uniform der Familie Li, das goldene Abzeichen eines Erben und einen Mantel ohne einen einzigen Blutfleck. Neben ihm breitet ein riesiger, unverletzter Leerendrache gesunde Flügel aus.

Die Krone sucht nicht länger nach dem Anführer unserer Gruppen.

Sie hat den Wunsch gefunden, der ihr einen einzigen Herrn zurückgeben kann.

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