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REX WANG UND STYX

Kapitel 62. Der letzte Funke

Hinter dem Familiensaal beginnt ein runder Gang ohne Türen.

Die Wände laufen auf ein Zentrum zu, in dem die Raubtierkrone pulsiert. Weißes Licht fließt bereits durch die Leitung des Drachen. Mit jedem Schlag zuckt sein Herz, und der beschädigte Flügel breitet sich wieder gegen seinen Willen aus.

Leon geht neben ihm und presst die verbrannten Finger an die Brust. Er kann die alte Verbindung nicht schließen, ohne sich selbst wieder zum Herrn zu machen.

Am Ende des Gangs steht eine runde Tür mit einer Vertiefung für den Steuerknoten des Schwarms.

Kane hat damit gerechnet, dass Styx als einzige Königin zu ihm kommt. Dann hätte die Krone über sie den gesamten Schwarm auf einmal bekommen.

Aber der zentrale Knoten existiert nicht mehr.

Sieben Kapitäne sind in verschiedenen Teilen des Turms. Einer ist an der Ader gestorben, zwei antworten nicht. Selbst wenn die anderen wollten, könnten sie die Tür nicht gleichzeitig erreichen.

Das System bietet Styx an, ihre Funken wieder einzusammeln.

„Vereinten Schwarm wiederherstellen. Wahrscheinlichkeit der Öffnung: einhundert Prozent.“

Hinter uns erscheint weißes Feuer. Vor uns wird die Leitung in der Brust des Drachen stärker. Kane drängt uns nicht. Jeder Weg zu ihm verlangt, den Herrn wiederherzustellen.

Styx hebt von meiner Schulter ab.

Durch unsere Verbindung spüre ich die Kapitäne. Nicht sie selbst, sondern die Spuren ihrer Entscheidungen: das Krankenviertel, ein Gelege hinter der Mauer, die Verletzten am Fluss, den Archivaufzug. Jeder könnte seinen Willen verlieren, wenn sie die Funken zu sich zieht.

„Sammle ich nicht“, sagt Styx.

Die Krone schließt die Vertiefung.

Leon sinkt auf ein Knie. Der Drache stöhnt. Noch ein paar Schläge, dann zwingt Kane ihn, die Tür von innen zu öffnen, und macht die Bestie zum Schlüssel.

In der Lüftung ist ein leises Summen zu hören.

Ein Späher mit verbranntem Flügel kriecht zu uns. Er gehört zur ersten Brut, noch aus dem Trainingswald, und hat bei der Teilung des Schwarms keinen eigenen Kern bekommen. In seiner Erinnerung gibt es keine Pläne der Stadt. Nur den Geruch einer Grasratte, den Schatten unter einem umgestürzten Baum und eine Hand, neben der einmal die ganze Kolonie geblieben ist.

Der Späher setzt sich in die Vertiefung.

Nichts passiert.

„Kein Kapitän“, sagt Styx.

In ihrer Brust bewahrt sie den letzten roten Funken. Er gibt ihr keine Macht über die Bruten. Durch ihn behält Styx ihre Stimme, die Erinnerung an ihre Gestalten und ihren eigenen Körper.

Styx will den letzten Funken abgeben.

„Was bleibt, wenn du ihn abgibst?“

Styx antwortet nicht mit Worten. Sie zeigt mir den Späher, die geschlossene Tür und das weiße Feuer.

Dann berührt sie seine Stirn mit ihrer.

Der rote Funke fließt in den kleinen Körper.

Styx fällt.

Ich fange sie mit beiden Händen. Ihre Flügel tragen sie nicht mehr. Unsere Verbindung ist dünner als ein Atemzug. Sie behält ihren Namen und einige Bilder, aber ihre menschliche Stimme ist fort.

Der Späher wächst nicht sofort. Rote Linien laufen über seine Flügel. Um ihn herum entsteht ein eigener schwacher Rhythmus.

Der neue Kapitän sieht Styx an.

Sie kann ihm keinen Befehl geben.

Er kriecht von selbst in den Steuerschlitz.

Die runde Tür öffnet sich und verbrennt seine Flügel. Der Kapitän hält den Durchgang offen, während wir Styx hinübertragen und sich der Leerendrache hinter uns hindurchzwängt. Als sein Schwanz die Schwelle überquert, erlischt der rote Punkt in der Tür.

Ich weiß nicht, ob der Späher noch herausgekommen ist.

Vor uns steht Kane.

Weiße Platten bedecken die Hälfte seines Gesichts. Der Kettenbasilisk ist mit dem Thron verwachsen. In der Brust der Krone schlägt der Titanenkern. Von Kane läuft eine schwarze Ader zum Leerendrachen.

Kane sieht Styx in meinen Händen an.

„Ihr habt das Letzte hergegeben, nur um hereinzukommen.“

„Nein“, sagt Leon.

Der Drache neben ihm hebt den Kopf.

„Das Letzte ist von selbst gekommen.“

Hinter uns schließt die Krone die Tür.

„Bestimmung des Besitzers eingeleitet“, meldet das System.

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