Im unteren Steuerkreis gibt es keinen Boden.
Verträge, goldene Ringe und Energieadern hängen über einem Schacht, der in die Dunkelheit führt. Drache und Basilisk stürzen dazwischen hinab und zerreißen das Netz mit ihren Körpern. Jede gekappte Linie löscht das Licht in einem der oberen Säle.
Leon hält sich mit seiner verbrannten Hand an einer Kette fest. Ich packe sein Handgelenk und schlage mit der Schulter gegen einen Metallsteg. Das System bietet mir an, meine Muskeln mit menschlicher Energie zu stärken.
Nach der ersten Ablehnung verschwindet das Fenster.
Unter uns schließt der Kettenbasilisk seine Ringe um den Hals des Drachen. Kane steuert ihn vom Thron aus. Weiße Platten brechen die schwarzen auf und drücken die Bestie zur zentralen Ader.
Der Drache könnte fliehen. Sein gesunder Flügel trägt ihn noch. Hinter ihm öffnet sich ein Leerenriss.
Er flieht nicht.
Er verbeißt sich in den Basilisken und zieht den Ring weg, der Leons Kette durchtrennen soll.
Kanes Stimme läuft durch den ganzen Steuerkreis.
„Warum beschützt du ihn? Der Vertrag ist zerstört. Du bekommst keine Belohnung.“
Leon hängt über dem Schacht und lacht, obwohl jeder Atemzug schmerzt.
„Hast du selbst beantwortet.“
Der Basilisk zieht die Ringe enger. Der verletzte Flügel des Drachen knackt. Durch ihre freiwillige Verbindung trifft der Schmerz Leon so hart, dass sich seine Finger öffnen.
Ich halte ihn mit beiden Händen fest.
„Mach die Verbindung zu!“, schreie ich.
„Dann ist er da unten allein.“
Physisch hilft das dem Drachen nicht. Leon weigert sich nur, sich von dem Preis abzuschirmen, den die Bestie aus eigenem Willen bezahlt.
Styx bewegt sich unter meinem Kragen. Sie zeigt mir den Aufbau des unteren Steuerkreises. Die Leerenleitung läuft durch den Kern des Drachen und zurück in den Thron. Die Familie Li hat die Bestie als lebenden Schlüssel aufgezogen. Solange der Kern existiert, kann Kane die Räume des Turms wiederherstellen und jeden Durchgang schließen.
Um den Kanal zu kappen, muss der Drache einen Teil seines eigenen Kerns herausreißen.
Über den Rest ihrer Verbindung sieht Leon dasselbe Bild.
„Nein.“
Der Drache dreht den Kopf zu ihm.
„Nicht. Wir finden einen anderen Weg.“
Es ist als Bitte gemeint. Trotzdem schneidet der alte Befehlston durch die Worte. Der Drache zuckt. In ihm kämpfen die Gewohnheit zu gehorchen und seine eigene Entscheidung.
Leon beißt sich auf die Lippe.
„Ich habe Angst, dich zu verlieren“, sagt er leiser. „Entscheiden musst trotzdem du.“
Der Drache rammt sich eine Klaue in die Brust.
Leerenlicht schießt heraus. Für einen Moment verschwindet der Schacht. Ich sehe keine Dunkelheit, sondern Straßen, Zimmer und Käfige, die die Bestie einst für die Familie Li verbunden hat. Dann schnappt der Raum zurück.
Leon schreit unter ihrem gemeinsamen Schmerz.
Der Drache zieht einen schwarzen Splitter heraus und zerbeißt ihn.
Die Leitung erlischt.
Der Turm verliert seinen Halt. Goldene Ringe beginnen zu fallen, Familientüren springen auf und Leerenfallen entlassen die Menschen, die in den Gängen gefangen sind.
Auch der Drache fällt.
Ohne Kern schrumpft sein Körper mitten in der Luft. Seine Flügel tragen sein Gewicht nicht mehr.
Leon lässt die Kette los.
Diesmal kann ich ihn nicht mehr fangen.
Er stürzt zu der Bestie, die keine Kraft mehr hat, einen Riss zu öffnen.
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