Unsere Erinnerungen laufen durch die Krone.
Kane sieht die Gasse, die kleine Styx in meiner geschlossenen Hand und die erste Brut im Trainingswald. Lange betrachtet er das Bild, in dem ich die nutzlose Mücke mit meiner Hand geschützt habe, obwohl sie mir noch nichts geben konnte.
„Du hast nichts von ihr bekommen“, sagt er.
„Am Anfang nicht.“
„Warum hast du sie dann behalten?“
Ein Vertrag hätte eine Antwort: Berechnung, Hoffnung auf das Erwachen, ein verborgenes Erbe. Die echte Antwort klingt zu einfach.
„Weil sie bleiben konnte.“
Kane schlägt mit seiner ganzen Rüstung zu.
Der Boden unter mir bricht. Ich stürze, eine weiße Platte presst meine Brust gegen den Stein. Styx rollt an den Rand des Risses.
Hinter der Wand versucht Leon, in den Kreis einzudringen. Der kleine Drache kratzt mit den Klauen über die weiße Oberfläche. Die Kapitäne zeigen weiter die Gesichter der verschlungenen Wesen, doch Kane schließt jeden von ihnen in einen eigenen Ring.
Styx erhebt sich auf ihren verletzten Flügeln und landet auf seiner Rüstung.
Der Weg, den sie in Kanes Nervensystem geöffnet hat, ist noch nicht geschlossen. Der rote Punkt dringt unter eine Platte.
Wieder spüren wir seinen Körper.
Sein Herz schlägt direkt neben uns. Ein Impuls würde genügen, um den Muskel anzuhalten. Der Tod des Besitzers würde den Kampf für mich beenden. Seine einundvierzigtausend Verbindungen würden auf den Sieger übergehen.
Das System zeigt bereits die Belohnung.
„Verschlingung verfügbar.“
Mit dem Körper kommt Kanes Erinnerung. Der Junge am Tor. Seine Mutter im Schnee. Die erste Bestie, die rechtzeitig gehorcht hat. Menschen, die ihm für ihre Rettung danken. Danach werden die Entscheidungen schneller und immer schwerer anzufechten. Er bemerkt nicht den Augenblick, in dem aus der Angst, Menschen zu verlieren, das Recht wird, sie zu besitzen.
Styx berührt den Herzmuskel.
Kane spürt sie.
„Los“, sagt er. „Hol dir die Stadt so, wie du dir deine erste Kraft geholt hast. Durch einen Tod.“
Brutus erscheint wieder in meiner Erinnerung. Ohne Gesicht. Ich weiß noch, dass ich neben ihm gestanden und den Angriff nicht gestoppt habe. Zehn Punkte waren mir nützlicher als sein Leben.
Wenn Styx Kane auf meine Entscheidung hin tötet, macht die Krone ihn und alle mit ihm verbundenen Wesen zu einer weiteren Zahl.
Ich drücke zwei Finger gegen den roten Punkt auf seiner Rüstung.
„Komm raus.“
Styx bleibt einen Moment am Herzen. Dann zerreißt sie nur den dünnen Faden, mit dem die Platte auf meiner Brust festgezogen ist, und kriecht nach draußen.
Kane lebt.
Ich bin trotzdem nicht frei. Er hält die Krone weiter, und die Rüstung setzt sich bereits neu zusammen.
„Du willst deine Hände sauber halten“, sagt er.
„Nein. Ich lasse dir deinen Körper.“
Die Worte halten den nächsten Schlag nicht auf. Kane schleudert mich an den Rand des Kreises. Die Wunde an meiner Schulter bricht wieder auf.
Zum ersten Mal kann er meine Ablehnung aber nicht Schwäche nennen und die Krone sofort auf seine Seite ziehen. Das System zeigt weiter die mögliche Verschlingung. Daneben erscheint jedoch eine neue Zeile.
„Ziel hat Besitznahme abgelehnt.“
Kane sieht sie und reißt sich die weiße Platte vom Gesicht.
Darunter steht ein Mensch, der zum ersten Mal nicht die Möglichkeit hat, seinen eigenen Tod zum letzten Wort zu machen.
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