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REX WANG UND STYX

Kapitel 79. Zwei Übergriffe

Kane bestreitet die Dokumente nicht. Er streitet über ihre Bedeutung.

Seiner Meinung nach haben die Schuldensiegel die Stadt gerettet. Die Beschlagnahmungen haben den stärksten Bestienbändigern die besten Bestien gegeben. Die Herde an der Mauer war eine notwendige Maßnahme gegen den Zerfall.

Einige Zuhörer stimmen ihm zu.

Der Prozess findet in derselben Kantine der Akademie statt. Noch immer gibt es keinen Platz für ein Oberhaupt. Kane sitzt mit einer gewöhnlichen Metallfessel an der Wand. Der Kettenbasilisk bleibt im Hof bei offenem Tor. Die Bestie geht nicht weg, kommt ihrem früheren Herrn aber auch nicht näher.

Kane verlangt, als erster Zeuge gehört zu werden. Der Rat lehnt ab.

„Sie haben Angst zu hören, wie viele Menschen mein System gerettet hat.“

„Hören wir“, sagt Lily. „Nach denen, die es benutzt hat.“

Die Frau aus der Färberei leugnet die Hilfe der Familie Li nicht.

„Ihr Geld hat meinen Sohn gerettet. Danach hat ihm der Vertrag jeden Monat Kraft genommen. Das eine hebt das andere nicht auf.“

Arden erzählt, wie Styx in seinen Körper eingedrungen ist und ich seine Hände und seine Erinnerung benutzt habe.

„Rex hat aufgehört“, sagt er. „Aber bis heute wache ich auf und prüfe, ob sich meine Finger bewegen.“

Kane bittet um Erlaubnis für eine Frage.

„Wenn Rex diese Fähigkeit wiederbekommt, vertrauen Sie ihm dann die Entscheidung an, wann Ihr Körper weniger wichtig ist als die Stadt?“

Arden sieht nicht mich, sondern die Richter an.

„Nein.“

Kane lächelt.

„Dann bestätigen Sie mein Argument.“

„Ich bestätige, dass ich weder ihm noch Ihnen gehören will.“

Im Saal wird es still.

Als ich an der Reihe bin, bestätige ich seine Worte.

„Es war ein Übergriff.“

Kane lächelt.

„Und was macht dich besser?“

„Dass seine Angst mir nicht recht gibt.“

Das Gericht erkennt beide Übergriffe an, ohne einen einzelnen Vorfall mit dreißig Jahren eines Systems gleichzusetzen. Nervenfähigkeiten werden mir verboten, falls sie je zurückkehren. Außerdem muss ich mit Arden zu seinen Bedingungen arbeiten.

Ich muss sämtliche Bruchstücke seiner Erinnerung in eine geschützte Aufzeichnung übertragen. Kein Detail darf ohne seine Erlaubnis verwendet werden. Arden kann jedes Treffen jederzeit beenden. Das erste bricht er nach drei Minuten ab, als ich die Farbe der Tischdecke im Haus seiner Frau nenne.

„Das habe ich dir nie erzählt.“

„Weiß ich.“

Er geht. Das nächste Treffen findet erst eine Woche später statt.

Leon kommt mit dem kleinen Drachen herein. Die Bestie bleibt an der offenen Tür. Leon setzt sich neben die Schwelle.

Er gibt zu, die Privilegien seiner Familie noch benutzt zu haben, als er längst kein Kind mehr war. Seinen Familiennamen legt er nicht ab.

„Wenn ich ihn aus dem Protokoll streiche, kann ich mir in ein paar Jahren sagen, eine andere Familie hätte die Verbrechen begangen.“

Zum ersten Mal senkt Kane den Blick.

Das Urteil stellt nicht alle zufrieden. Kane verliert seine Ämter, sein Vermögen und das Recht, Verträge mit Bestien zu schließen. Er bleibt unter Bewachung und muss sich an der öffentlichen Aufarbeitung jedes Befehls der Krone vor den Betroffenen beteiligen.

Das Urteil ändert nichts daran, dass Kane die alten Siegel besser kennt als jeder andere. Als an der Nordmauer eines gefunden wird, bringt ihn der Rat unter Bewachung dorthin. Er muss seinen Aufbau vor drei unabhängigen Beobachtern erklären. Jedes Mal versucht er, aus der Beratung einen Beweis zu machen, dass er unersetzlich ist.

Manchmal können sie ohne seine Antwort tatsächlich nicht weitermachen.

Cole schreibt jedes Mal die Entscheidung, den Grund und den Namen des Menschen auf, der sie später überprüft.

„Sie nennen das Barmherzigkeit“, sagt Kane.

„Arbeit“, sagt Cole.

Nach dem Prozess lässt Arden die Grenzen seiner Erinnerung gesondert festhalten. Das unwillkürliche Bild seiner Frau darf in meinem Kopf bleiben. Details darf ich ohne seine Erlaubnis nicht weitergeben. Er verzeiht mir nicht.

Dafür dient sein Schmerz nicht mehr als Beweis dafür, dass ich ein guter Mensch bin.

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