ОттискOriginalromane
REX WANG UND STYX

Kapitel 81. Der ungeborene Schwarm

Nur Lily und ich betreten das alte Nest.

Der unabhängige Kapitän bleibt am Eingang. In der Nähe der weißen Fäden zieht es seinen Kern bereits zum Zentrum.

Styx liegt auf einem Stück Titanenknochen. Ein Flügel fehlt, ihr Körper ist kleiner als der einer gewöhnlichen Mücke. Sie zieht den Rest der Krone in sich und verhindert, dass er die Eier einer neuen Brut erreicht.

Um den Knochen liegt ein Kreis aus verkohlten Schalen. Styx zerstört sie einzeln und versiegelt den weißen Faden in der leeren Hülle. Deshalb konnten die Kapitäne sie nicht früher finden. Sobald sich ein unabhängiger Kern nähert, greift der Rest der Krone danach und versucht, den vereinten Schwarm wiederherzustellen.

Sie hat sich nicht vor uns versteckt.

Sie hat uns daran gehindert, zu ihr zu kommen.

„Kann man es zerstören?“, frage ich.

Ein schwaches Fiepen wird zu Worten.

„Kann man.“

Titanenblut könnte ihr die Gestalt der Königin zurückgeben und die Verseuchung verbrennen. Mit der Kraft würde aber auch der Keim eines neuen Besitzers in Styx bleiben. Der zweite Weg ist einfacher. Das Loch versiegeln und Styx mit den weißen Fäden sterben lassen.

Ich biete an, die Verseuchung in mich zu übertragen. Seit das System verschwunden ist, besitzt mein Körper keinen Steuerknoten mehr. Mira hält eine solche Übertragung für unmöglich. Styx schlägt trotzdem mit einem Bein gegen den Knochen.

„Nein.“

Das Wort ist schwach, aber unverkennbar.

Unter einem Stein findet Lily eine alte Laborplatte. Darauf ist ein Plan erhalten. Der Rest der Krone könnte auf Tausende neue Kerne verteilt werden. Jedes Wesen würde dann einen kaum spürbaren Anteil des weißen Fadens bekommen. Ein vollständiger Besitzer könnte nie wieder entstehen.

Für das System wäre das die beste Lösung.

Lily sieht die Tausenden Hüllen um den Knochen. Verteilen wir die Verseuchung auf sie, kann kein Teil allein die Krone wiederherstellen.

Aber die Wesen darin sind noch nicht geschlüpft. Wir können sie nicht fragen.

Styx berührt das nächste Gelege.

„Meine. Nicht ich.“

Dann fügt sie hinzu:

„Meine Verantwortung.“

Sie beginnt, die Eier vor dem Schlüpfen zu zerstören. Jede geöffnete Hülle zieht einen Teil des weißen Fadens hinein und verbrennt. Damit bringt sich Styx um den neuen Schwarm. Sie zwingt ihn aber nicht, mit unserer Aufgabe im Körper auf die Welt zu kommen.

Ich leite die Fäden in die leeren Hüllen. Lily hält das Licht.

Wir kommen nur langsam voran. Die weißen Fäden verbrennen meine Finger. Nach jeder Schale liegt Styx länger reglos da. Mehrmals will ich meine Hand über sie halten, um sie vor dem Licht zu schützen. Im letzten Moment lege ich die Hand nur daneben.

An der hinteren Wand ist noch ein unversehrtes Ei. Darin bewegt sich bereits eine Larve.

Styx kriecht hin und hält an.

Ich erwarte, dass sie auch diese Schale zerstört. Stattdessen schiebt Styx das Ei über die Grenze des weißen Kreises. Der Rest der Krone greift nicht danach.

„Können wir das hier behalten?“, fragt Lily.

Styx berührt die Hülle.

„Frei.“

Wir wissen nicht, ob die Larve ohne Königin und gemeinsamen Rhythmus überlebt. Wir nehmen das Ei in einer eigenen offenen Transportbox mit und verbinden es mit keinem Schwarm.

Bei Sonnenaufgang erlischt das Nest.

Styx fällt auf den Knochen. Ich halte ihr die Blechdose hin und lasse den Deckel offen.

Sie könnte bleiben.

Einige Minuten später kriecht Styx von selbst hinein.

Im Reader öffnen